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Akzeptanzkommunikation

Wärmewende mit wenigen Ressourcen kommunizieren

Wie können kleine Kommunen mit eingeschränkten Ressourcen ihre Bürgerinnen und Bürger zur Wärmewende erreichen? Johanna Liebl aus der Verbandsgemeinde Nastätten in Rheinland-Pfalz gibt Antworten.

Johanna Liebl ist seit 2024 Klimaschutzmanagerin der Verbandsgemeinde (VG) Nastätten in Rheinland-Pfalz und beschäftigt sich dort mit strategischen Maßnahmen des kommunalen Klimaschutzes und der Wärmewende im ländlichen Raum. In diesem Kurzinterview berichtet sie von ihren Erfahrungen zur Kommunikation der Kommunalen Wärmeplanung.

© Johanna Liebl
Manchmal ist weniger mehr. Deshalb würde ich vor allem kleinen Kommunen empfehlen, sich auf ein besonders geeignetes Kommunikationsmedium zu konzentrieren und dieses gut und dauerhaft zu bespielen.

Johanna Liebl, Klimaschutzmanagerin in der Verbandsgemeinde Nastätten

Wie sind Sie die Wärmeplanung vor Ort angegangen?

Johanna Liebl: Wir haben unsere Wärmeplanung nach der Bundesförderung durchgeführt und bei der Vergabe gemeinsam mit der Erstellung des ersten integrierten Klimaschutzkonzepts ausgeschrieben. Da viele Daten auf diese Weise nicht doppelt erhoben werden mussten, konnten wir Ressourcen einsparen und Akzeptanz für den Planungsprozess in der Politik schaffen.

Darüber hinaus haben wir bereits frühzeitig das direkte Gespräch mit wichtigen Akteurinnen und Akteuren aus dem Energiesektor, der Landwirtschaft und dem Gewerbe gesucht und die Ortsbürgermeister eingebunden. Hier konnten wir die Stärken einer kleinen Kommune nutzen: Wir kannten bereits alle Ansprechpersonen innerhalb der Verbandsgemeinde und konnten diese auf kurzen Wegen erreichen. Aus den direkten Gesprächen konnten wir für die Zukunft einige Wünsche und Anregungen mitnehmen. Man bekommt als Verwaltung ein unmittelbares Bild davon, was die lokalen Anliegen sind, wenn man sich regelmäßig mit den Akteuren austauscht.

Steckbrief: Verbandsgemeinde Nastätten

Die Verbandsgemeinde (VG) im Rhein-Lahn-Kreis in Rheinland-Pfalz mit mehr als 16.700 Einwohnenden hat eine Fläche von 156 Quadratkilometern, zählt eine Stadt und 31 Ortsgemeinden mit etwa 250 öffentlichen Gebäuden. Zur kommunalen Familie gehören insgesamt 33 Bürgermeister, über 300 Ratsmitglieder und etwa 65 Mitarbeitende der Verwaltung. Mehrere kommunale Liegenschaften und benachbarte Gebäude werden bereits seit 2003 durch den kommunalen Regiebetrieb „Energiehof Bogel“ über Nahwärmenetze mit Hackschnitzeln aus den kommunalen Wäldern versorgt, darunter die Mühlbachschule in Miehlen und das Verwaltungsgebäude in der Stadt Nastätten. Darüber hinaus prägen überwiegend dezentral versorgte Einfamilienhäuser mit hohem Sanierungsbedarf das Bild der Verbandsgemeinde. Die Wärmeplanung läuft vor Ort parallel zum Verwaltungsalltag. Dementsprechend gering sind die personellen Ressourcen für den Planungsprozess und die Kommunikationsmaßnahmen.

Über welche Kanäle haben Sie die Bürgerschaft informiert?

Johanna Liebl: Wir haben vor allem niedrigschwellige Formate genutzt – darunter auch unser amtliches Mitteilungsblatt, das nach wie vor eines unserer wichtigsten Kommunikationsmedien ist. Über unsere Webseite haben wir ein Web-GIS-Kartentool angeboten, über das die Bürgerinnen und Bürger visuell und interaktiv Informationen zur Wärmeplanung in ihrer Ortsgemeinde abrufen konnten. Außerdem haben wir am 30. März 2026 gemeinsam mit dem lokalen Handwerk, regionalen Energieanbietern und der Verbraucherzentrale zu einer Informationsveranstaltung mit Wärmemesse eingeladen. Vertreten waren zudem die Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz und die Energiegenossenschaft Oberes Mühlbachtal (EGOM). Insgesamt war die Veranstaltung mit etwa 100 Gästen aus unterschiedlichen Ortsgemeinden gut besucht. Da wir unsere Strukturen vor Ort genutzt haben, hat sich auch der (finanzielle) Aufwand für die Veranstaltung in Grenzen gehalten. Die Teilnehmenden konnten sich die gewünschten Informationen an den einzelnen Ständen der Akteurinnen und Akteure abholen – und am Ende gab es kaum noch Nachfragen. 

Gemeindewebseite zur KWP mit interaktiver Karte

Auf der Gemeindewebseite stellt die VG Nastätten den Bürgerinnen und Bürgern FAQ zur Kommunalen Wärmeplanung zur Verfügung. Darin werden vor allem Fragen zur persönlichen Betroffenheit von der Wärmewende beantwortet, zum Beispiel: 

  • Was ist in meiner Ortsgemeinde geplant?
  • Kann ich mein Gebäude an ein Wärmenetz anschließen?
  • Muss ich jetzt meine Heizung austauschen?

Ergänzend gibt es eine interaktive GIS-Karte mit allen Informationen zur Wärmewendestrategie und den Potenzialen erneuerbarer Energien in den einzelnen Ortsgemeinden.
 

zur Gemeindewebseite
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Welche Zielgruppe war am schwierigsten zu erreichen?

Johanna Liebl: Natürlich können wir nicht mit Sicherheit sagen, ob wir alle relevanten Zielgruppen erreicht haben. In der Regel sehen wir auf Informationsveranstaltungen ein eher älteres Publikum. Gerade junge, neue Eigenheimbesitzerinnen und -besitzer sind schwieriger zu erreichen, da das amtliche Mitteilungsblatt von dieser Zielgruppe tendenziell seltener gelesen wird. Deshalb war es uns wichtig, viele digitale Informationen anzubieten. Wir werten die geringe Nachfrage nach der Veröffentlichung der Wärmeplanung jedoch als gutes Zeichen, dass ausreichend Informationen zur Verfügung stehen. Im ländlichen Raum machen sich Bürgerinnen und Bürger in der Regel schnell bemerkbar, wenn sie sich mehr Informationen von ihrer Verwaltung wünschen.

Am 30. März 2026 haben rund 100 Bürgerinnen und Bürger im Bürgerhaus Miehlen an der Informationsveranstaltung zur Kommunalen Wärmeplanung der Verbandsgemeinde Nastätten teilgenommen.

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Welche Herausforderungen sind Ihnen in der Kommunikation begegnet?

Johanna Liebl: Die größte Herausforderung war neben der inhaltlichen Arbeit, also der Bereitstellung der Daten und der Überprüfung des Kartenmaterials, die Öffentlichkeitsarbeit nicht aus den Augen zu verlieren. Als kleine ländliche Kommune haben wir leider keine Kommunikationsabteilung oder ein Veranstaltungsmanagement, dass hierbei unterstützen kann. 

In der Pressekommunikation wurden Zahlen aus der Kommunalen Wärmeplanung nicht korrekt interpretiert. Mein Learning ist, auch in der Kommunikation mit Journalistinnen und Journalisten die wichtigsten Daten einfach verständlich aufzubereiten – eine gute Möglichkeit ist aus meiner Sicht ein Factsheet für die Presse. Das bedeutet zwar Aufwand für die Erstellung, wird am Ende aber mit einer guten Berichterstattung belohnt.

Welche Empfehlungen würden Sie an andere Kommunen weitergeben?

Johanna Liebl: Manchmal ist weniger mehr. Deshalb würde ich vor allem kleinen Kommunen empfehlen, sich auf ein besonders geeignetes Kommunikationsmedium zu konzentrieren und dieses gut und dauerhaft zu bespielen. Außerdem lassen sich viele Ressourcen sparen, wenn regionale Besonderheiten mitgedacht und bekannte Akteurinnen und Akteure auf kurzem Weg direkt angesprochen und eingebunden werden. Und was insbesondere in Gebieten mit einem großen Anteil an dezentraler Versorgung wichtig ist: den Bürgerinnen und Bürgern Angebote machen. Es lohnt sich lokale Betriebe und Institutionen mit kostenfreien Beratungsangeboten zu Informationsveranstaltungen einzuladen und die vorhandene Expertise zu nutzen. 

Worauf sind Sie besonders stolz?

Johanna Liebl: Ich freue mich tatsächlich sehr darüber, dass unsere Wärmemesse so positive Resonanz ausgelöst hat. Es ist nicht leicht, eine übergeordnete Fachplanung wie den Wärmeplan nach den politischen Debatten um das Gebäudeenergiegesetz (bzw. nun Gebäudemodernisierungsgesetz) so zu vermitteln, dass bei den Bürgerinnen und Bürgern keine Verunsicherung oder Frustration entsteht. Bei unserer Veranstaltung hatte ich den Eindruck, dass die Gäste nun wissen, an wen sie sich mit ihren Fragen vor Ort wenden können.

Stand: August 2026

Mehr zur Kommunikation der Wärmewende

Wie erreichen wir die Bürgerschaft mit Informationen zur Wärmewende? Diese Frage diskutierte Johanna Liebl gemeinsam mit zwei weiteren Gästen als Referierende auch in der KWW-Fragenarena auf der Großen KWW-Konferenz 2026. Die Aufzeichnung der Veranstaltung sowie alle Präsentationen finden Sie in unserer Infothek.

zum Material der KWW-Fragenarena
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