© Getty Images/Westend61

Dezentrale Gebiete

Gemeinschaftlich die dezentrale Wärmeversorgung angehen

Wie können Kommunen die Wärmewende in dezentralen Gebieten unterstützen? Ein Blick in zwei Kommunen zeigt den Handlungsspielraum auf.

Ein Großteil der rund 16 Millionen Ein- oder Zweifamilienhäuser in Deutschland (vgl. dena 2026: S. 7) wird künftig überwiegend individuell beheizt – primär durch Wärmepumpen (vgl. FVEE 2015). Das heißt: Dezentrale Gebiete werden mit einem Versorgungsanteil zwischen 70 und 90 Prozent der mit Abstand dominierende Gebietstyp in deutschen Kommunen sein (vgl. Agora Energiewende, Prognos und GEF 2024: S. 9; LANUK NRW 2024: S. 11). 

Insbesondere in kleinen Kommunen mit geringen Wärmebedarfen und fehlenden Wärmenetzbetreibern, aber auch in zahlreichen Ein- und Zweifamilienhaussiedlungen an den Stadträndern wird die Wärmeversorgung daher überwiegend dezentral erfolgen. In diesen Gebieten liegt die Verantwortung für den Umstieg auf eine erneuerbare Heiztechnologie also vor allem bei den Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümern. Kommunen können aber eine Hilfestellung geben, indem sie die Menschen vor Ort mit zugeschnittenen Beratungs- und Unterstützungsangebote begleiten. Wie das aussehen kann, zeigen das Barkauer Land und die Stadt Oldenburg.

Wärme als Daseinsvorsorge im Barkauer Land

Das Barkauer Land ist ein Zusammenschluss von zwölf kleinen Gemeinden, dem Amt Preetz-Land zugehörig und zählt etwa 4.500 Einwohnende. Die Ausgangssituation: Bei etwa 90 Prozent der Wohngebäude handelt es sich um Ein- und Zweifamilienhäuser. 

Um die Wärmewende vor Ort anzugehen, gründete sich 2023 die Arbeitsgruppe Energie – initiiert von den Kommunen des Barkauer Landes und ehrenamtlich tätigen Bürgerinnen und Bürgern. Die Mitglieder fassen die Energieversorgung und insbesondere die Wärmeversorgung als Daseinsversorge auf. Dementsprechend sehen sich die Kommunen als mitverantwortliche Gestalterinnen der Wärmewende, haben im März 2026 eine gemeinsame Kommunale Wärmeplanung beschlossen und möchten die Eigentümerinnen und Eigentümer nun aktiv bei der Umsetzung unterstützen. Als Zielsetzung formulierte der Arbeitskreis Energie: „Das Barkauer Land erzeugt seine Energie weitgehend selbstbestimmt, nachhaltig und klimaneutral. Eine geeignete Unternehmensform ist gefunden. Die Klimaziele des Bundes werden aus eigenen Kräften erreicht oder übertroffen.“

Als Unternehmensform wurde Ende 2025 eine Genossenschaft gewählt: Die Energiegenossenschaft Barkauer Land mit etwa 20 Mitgliedern hat zum Ziel, ein wirtschaftlich tragfähiges Geschäftsmodell für die regionale Energieerzeugung und -verteilung zu entwickeln. Sie soll zukünftig den gemeinschaftlichen Einkauf von Wärmepumpen organisieren und an der Erzeugung und Verteilung von Strom mitwirken.

© Barkauer Land/Hans-Jürgen Pleß

Ein Handlungsblumenstrauß für die dezentrale Versorgung

Folgende Maßnahmen aus dem Wärmeplan (vgl. Amt Preetz-Land, S. 78 ff.) werden von der Energiegenossenschaft Barkauer Land sowie von der Klimaschutzagentur im Kreis Plön GmbH im Rahmen der Umsetzung der Kommunalen Wärmeplanung in den dezentralen Versorgungsgebieten begleitet:

  • umfassende Information der Bürgerschaft über Chancen, Technologien und Umsetzung der nachhaltigen Wärmeversorgung durch passende Veranstaltungs- und Beratungsformate sowie Handreichungen im „Amtsschimmel“, dem Amtsblatt des Barkauer Lands
  • Untersuchung der Möglichkeit eines „Energy Sharings“ (gemeinschaftliche Stromtarife)
  • Wärmepumpensammelbestellungen
  • Nutzung von regionalem Solar- und Windstrom
  • Etablierung von Fördermittelberatungen (Bundesförderung für effiziente Gebäude)
  • Unterstützung bei der Erstellung individueller Sanierungsfahrpläne mit konkreten Schritten für Eigentümerinnen und Eigentümer
  • Aktivitäten für die Anwendung smarter Thermostate und Einsatz eines Heizungsmonitorings 

Eindeutige Empfehlung in der Stadt Oldenburg

Der Rat der Stadt Oldenburg hat den Wärmeplan im Juni 2026 beschlossen. Oldenburg hat kein Stadtwerk und nur wenige kleine Nahwärmenetze. 93 Prozent des Wärmebedarfs werden aktuell dezentral durch Erdgas gedeckt. Da die Stadt bislang nicht über ein Fernwärmenetz verfügt und es auch keinen kommunalen Akteur für dessen Errichtung gibt, geht die Kommune auch weiterhin von einer überwiegend dezentralen Versorgung aus. Der Großteil der Wohngebäude wird also in Zukunft durch Luft-Wasser-Wärmepumpen mit Wärme versorgt – genau diese dezentrale Versorgung will die Stadt im Zuge der Daseinsvorsorge aktiv begleiten.

Oldenburg unterstützt zwar auch Unternehmen bei der Planung von Nahwärmenetzen, setzt den Schwerpunkt bei der Umsetzung aber eindeutig auf Kommunikations-, Beratungs- und Fördermaßnahmen, die die energetische Sanierung sowie den Umstieg auf erneuerbare Heiztechnologien unterstützen.

Kurzbericht der Wärmeplanung

Zur Information der Bürgerschaft wurde ein verständlicher Kurzbericht des Wärmeplans erstellt – darüber hinaus gibt es zum Wärmeplan eine interaktive Karte.

zum Kurzbericht
© coool Agency GmbH

Wärmewende mit Wärmepumpe

Die Stadt empfiehlt den Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümern bei einem anstehenden Heizungstausch aktiv den Umstieg auf eine Wärmepumpe. Sie bietet online, telefonisch und im direkten Gespräch kostenlose Beratungen an und bezuschusst Gebäudechecks durch zertifizierte Gebäudeenergieberaterinnen und -berater, Sanierungsmaßnahmen sowie den Heizungstausch selbst. Der Eigenanteil für eine aufsuchende Beratung liegt bei 70 Euro, für den Heizungstausch übernimmt die Stadt zehn Prozent der Kosten bis zu einer Summe von 7.500 Euro, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Außerdem finden in regelmäßigen Abständen Wärmepumpen-Infoabende unter Beteiligung der SHK-Innung statt.

Darüber hinaus entstanden aus Anmerkungen, offenen Fragen und Sorgen der Bürgerschaft im Rahmen eines Wärmeplan-Dialogs weitere konkrete Handlungsempfehlungen, die nun in die Umsetzung kommen sollen: 

  • Ausbau der Nachbarschaftshilfe: Der Dialogprozess hat deutlich gemacht, dass Erfahrungen zum Heizungswechsel aus der eigenen Nachbarschaft das größte Vertrauen schaffen. Die Stadt setzt daher in Veranstaltungsformaten künftig auch auf Bürgerinnen und Bürger, die Interessierten von ihren eigenen Erfahrungen mit einer Wärmepumpe berichten.
  • Ausbau der individuellen Beratung: Die Stadt baut ihre unabhängigen Beratungsangebote weiter aus und stärkt ihre Rolle als Vermittlerin zu anderen neutralen beratenden Stellen.
  • Entwicklung eines Beratungsangebots für Wohnungseigentümergemeinschaften: Oldenburg richtet für diese Zielgruppe ein maßgeschneidertes Beratungsangebot ein. 

© Jörg Hemmen

Handlungsvorschläge für dezentrale Gebiete

In vielen Kommunen wird die Wärmeversorgung der Zukunft dezentral organisiert. Doch was bedeutet das konkret für Kommunen und Gebäudeeigentümerinnen und Gebäudeeigentümer? Erfahren Sie, wie dezentrale Gebiete in der Kommunalen Wärmeplanung (KWP) definiert sind, welche Heizungsarten infrage kommen und wie Sie als Kommune die Wärmewende aktiv mitgestalten können.

mehr über dezentrale Gebiete erfahren
© dena/KWW

Quellen

Agora Energiewende, Prognos und GEF (2024): Wärmenetze – klimaneutral, wirtschaftlich und bezahlbar. Wie kann ein zukunftssicherer Business Case aussehen? Online verfügbar unter: https://www.agora-energiewende.de/publikationen/waermenetze-klimaneutral-wirtschaftlich-und-bezahlbar, Zugriff am: 28. April 2026.

Amt Preetz-Land – Der Amtsvorsteher: Kommunale Wärmeplanung im Barkauer Land (+) auf der Zielgerade! 27.02.2026. https://www.amtpreetzland.de/verwaltung-politik/kommunalpolitik/kommunale-waermeplanung-im-barkauer-land, Zugriff am: 4. Juni 2026. 

Deutsche Energie-Agentur (dena, 2026): DENA-GEBÄUDEREPORT 2026. Zahlen, Daten, Fakten zum Klimaschutz im Gebäudebestand. Berlin. Online verfügbar unter https://www.gebaeudeforum.de/fileadmin/gebaeudeforum/Downloads/Gebaeudereport/dena-Gebaeudereport_2026.pdf, letzter Zugriff: 28. April 2026.

Forschungsverbund Erneuerbare Energie (FVEE): Wärmepumpen im zukünftigen Strom- und Wärmesektor. 2015. https://www.fvee.de/wp-content/uploads/2022/01/th2015_06_03.pdf, Zugriff am: 28.April 2026.

Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV): Wärmestudie NRW: Daten für die Wärmewende Kernergebnisse der Szenarienanalyse. September 2024. https://www.energieatlas.nrw.de/site/Media/Default/Dokumente/LANUV_Kernergebnisse_Szenarienanalyse_Waermestudie%20NRW_05092024.pdf, Zugriff am: 28. April 2026.

Stand: August 2026