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© Getty Images/Luis Alvarez

Prozess der KWP | WWK-Netzwerk

Kollegiale Fallberatung in der Wärmeplanung

Lernen auf Augenhöhe: Im Rahmen einer kollegialen Fallberatung haben die Mitglieder unseres WWK-Netzwerks Erfahrungen zu konkreten Fragestellungen ausgetauscht. Warum das Format sich auch für Herausforderungen in der Wärmeplanung eignet.

So wie der Austausch unter Kolleginnen und Kollegen im Büro zu besseren Lösungen führt, können auch Kommunen in der Wärmeplanung von einem Dialog auf Augenhöhe profitieren. Deshalb haben wir im Rahmen des WärmeWendeKommune-Netzwerkes (WWK-Netzwerk) eine kollegiale Fallberatung angeboten. Das Ergebnis: neue Perspektiven und kollektiver Wissensaustausch. Drei Kommunen brachten jeweils eine konkrete Fragestellung zur Umsetzung der Wärmewende mit. Unterstützung und Rat erhielten sie von anderen Kommunenvertretenden.  

Was ist eine kollegiale Fallberatung?

Eine kollegiale Fallberatung zeichnet sich durch Lernen auf Augenhöhe und einen offenen Austausch aus. Das Ziel ist das gemeinsame Lernen: Nicht nur die Ratsuchenden, sondern die gesamte Gruppe profitiert von den geteilten Erfahrungen. Typischerweise bewegen sich Beratende und Ratsuchende in ähnlichen Kontexten mit vergleichbaren Herausforderungen. Der besondere Mehrwert liegt im Perspektivwechsel, dem Austausch (bereits erprobter) kreativer Lösungsansätze sowie in der unmittelbaren Praxisrelevanz, da alle diskutierten Fälle auf realen Situationen basieren.

Wie läuft eine kollegiale Fallberatung ab?

Der Ablauf folgt einer klaren Agenda. Idealerweise dauert die kollegiale Fallberatung nicht länger als 120 Minuten. Eine Person übernimmt die Moderation, führt die Gruppe durch das Format und achtet insbesondere darauf, dass sich die Teilnehmenden nicht in Detailfragen verzetteln oder zu weit von der Ursprungsfrage abrücken.  

So sah der Ablauf im WWK-Netzwerk aus:

  1. Die fallgebende Person schildert eine Herausforderung aus ihrer Kommune, für die sie aktuell keine adäquate Lösung hat.  
  2. Die Teilnehmenden erhalten die Möglichkeit, Verständnisfragen zu stellen.  
  3. In einer längeren Beratungsphase teilen die Teilnehmenden Ideen, Lösungsansätze und Erfahrungen zur geschilderten Herausforderung. Die fallgebende Person nimmt an diesem Austausch nicht aktiv teil, sondern hört nur zu und macht sich ggf. Notizen. Im Anschluss besteht die Möglichkeit der Gesprächsrunde eine Rückmeldung zu geben, ob die genannten Punkte zur Lösung der Herausforderung beigetragen haben.  
  4. Da hier in der ersten Beratungsphase oftmals nicht alle Fragen abschließend geklärt werden, folgen meistens eine weitere Runde zum Stellen von Rück- oder Verständnisfragen sowie eine zweite Beratungsphase.
  5. Abschließend gibt die fallgebende Person eine finale Rückmeldung.
© Getty Images/Ijubaphoto

Konkrete Fragestellungen aus den Kommunen

Im Rahmen des WWK-Netzwerks haben drei Kommunen Fragestellungen zur Umsetzung der Wärmewende mitgebracht: In drei Gruppen wurde jeweils eine der Fragen besprochen:

Welche Maßnahmen kann meine Kommune ergreifen, wenn zwar ein hohes Wärmenetzpotenzial besteht, die Verfügbarkeit von Flächen für erneuerbare Energien jedoch begrenzt ist?

Während der Beratung wurden gemeinsam verschiedene Lösungsansätze diskutiert, darunter der Zusammenschluss mehrerer kleiner Wärmenetze oder die Mehrfachnutzung von Flächen, etwa durch Solar-Parkplätze und Agri-Photovoltaik. Zudem wurde die Einbindung lokaler Forschungseinrichtungen zur Erschließung weiterer Potenziale sowie ein stärkerer Fokus auf die Nutzung von Abwasserwärme empfohlen. 

Der Ratsuchende zeigte sich interessiert an den Vorschlägen und möchte einige davon vertieft prüfen. Zudem wurde ihm geraten, in dieser Thematik einen langen Atem zu bewahren, da Veränderungen Zeit in Anspruch nehmen werden. Somit erhielt er nicht nur konkrete Impulse für die Umsetzung der Wärmeplanung in seiner Kommune, sondern auch Bestätigung und Motivation für seine Vorhaben. 

Wie soll ein Wärmenetz (langfristig) finanziert werden, wenn die Kommune aktuell sparen muss?

In dieser Session empfahl die Gruppe, die örtliche Landwirtschaft stärker einzubinden und potenzielle Ankerkunden zu identifizieren, die eine Finanzierung mitabsichern könnten. Zudem wurden das Einrichten eines Bürgerfonds mit attraktiven Renditen sowie eine ergänzende Finanzierung über europäische Förderprogramme vorgeschlagen. Die Ratsuchende bewertete die Anregungen zwar als positiv, doch viele dieser Ideen waren bereits in Betracht gezogen worden. 

An diesem Beispiel zeigt sich, dass kollegiale Fallberatungen auch an Grenzen stoßen können, etwa wenn sie auf schwer veränderbare Fakten wie fehlende finanzielle Mittel treffen. 

Wie können wir nach der Kommunalen Wärmeplanung möglichst schnell in die Umsetzung gelangen?

Eine Empfehlung in der kollegialen Fallberatungsrunde war es, die wirtschaftlichen Mehrwerte für die Realisierung von Netzen beziehungsweise auch dezentrale Lösungen hervorzuheben und damit die Motivation zu steigern. Zudem wurden regelmäßige Austausche mit Kernakteurinnen und -akteuren, zum Beispiel mit dem Energieversorger, vorgeschlagen, um gemeinsam einen Fahrplan zu entwerfen. Auch die Einbindung der örtlichen Hochschule in die Umsetzung wurde empfohlen. Der Ratsuchende erhielt so eine Vielzahl von Handlungsempfehlungen, sowohl für dezentrale wie auch zentrale Gebiete. Das Format bewertete er positiv und wird sich in Zukunft mit einigen der Ideen weiter beschäftigen.

Resonanz und Learnings

Das Format der kollegialen Fallberatung wurde von den Teilnehmenden rückblickend als hilfreich bewertet: Es ermöglicht, komplexe Sachverhalte gemeinsam zu erörtern, Handlungsoptionen aufzuzeigen und der fallgebenden Person im Idealfall konkrete Lösungsansätze mitzugeben. Die Erfahrung zeigt: Je präziser die Frage, desto konkreter die Antworten, je offener die Frage, desto größer der Raum für innovative Ansätze. Hier ist die Moderation gefragt, beides in Balance zu halten. Grenzen der kollegialen Fallberatung zeigen sich bei unveränderbaren Rahmenbedingungen, etwa fehlender Verfügbarkeit erneuerbarer Energien oder begrenzten finanziellen Ressourcen.

Das sind die zentralen Erkenntnisse aus dem WWK-Netzwerk:

  • Die kollegiale Fallberatung wurde von den Teilnehmenden rückblickend als hilfreiches Beratungsformat bewertet.
  • Durch die kollegiale Fallberatung können neue Perspektiven, konkrete Handlungsempfehlungen und Bestätigung für bestehende Vorhaben entstehen.
  • Motivation und Unterstützung: Ratsuchende erhalten nicht nur Lösungsansätze, sondern auch Bestätigung und Ansporn, ihre Projekte weiterzuverfolgen. 
© dena/KWW

Stand: August 2026

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