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Dezentrale Gebiete mit klima­neutraler Wärme versorgen

In vielen Kommunen wird die Wärmeversorgung der Zukunft dezentral organisiert. Doch was bedeutet das konkret für Kommunen und Gebäudeeigentümerinnen und Gebäudeeigentümer? Hier erfahren Sie, wie dezentrale Gebiete in der Kommunalen Wärmeplanung (KWP) definiert sind, welche Heizungsarten infrage kommen und wie Sie als Kommune die Wärmewende aktiv mitgestalten können.

© Getty Images/Radoslav Zilinsky

Gebietstyp dezentrale Gebiete

Dezentrale Gebiete sind ein bestimmter Gebietstyp im Rahmen der KWP. In diesen Gebieten ist aus wirtschaftlichen, räumlichen oder akteursspezifischen Gründen im Wärmeplan kein Wärme-, Wasserstoff- oder Gasnetz mit erneuerbaren Energien vorgesehen. Es wird daher voraussichtlich keine zentrale Wärmeversorgung, sondern eine gebäudeindividuelle Versorgung geben. In einem überwiegend dezentral versorgten Gebiet ist es dennoch möglich, neben der weitgehenden individuellen Wärmeversorgung auch ein kleineres Gebäudenetz zu betreiben. Die dezentrale Zuordnung bleibt dennoch bestehen. 

Kriterien dezentraler Gebiete

Diese Kriterien charakterisieren dezentrale Gebiete:    

  • geringe Wärmedichte
  • große Abstände zwischen den Gebäuden
  • geringe (erwartete) Netzanschlussdichte
  • starke Einfamilienhausdominanz 

Weitere Gründe für die Festlegung als dezentrales Gebiet:

  • fehlende wirtschaftliche Perspektive für Netze
  • fehlende erschließbare Wärmequellen in der Nähe 
  • topografische Gründe oder Barrieren (Bahntrassen, Autobahnen), die eine zentrale Versorgung verhindern

Mögliche Heizungsarten in dezentralen Gebieten

Grundsätzlich ermöglicht das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), der Nachfolger des Gebäudeenergiegesetzes (GEG), einen technologieoffenen Einbau neuer Heizungen. Vorgaben dazu finden sich im GModG in den Paragrafen 42 bis 46. Neben etablierten Technologien wie verschiedenen Wärmepumpenarten sind zum Beispiel auch Biomasseanlagen (wie Holzpellet- oder Scheitholzkessel) denkbar. Ebenfalls können neue Öl- und Gasheizungen eingebaut werden. Hier müssen jedoch die Grüngas-/Grünheizölquote sowie die Vorgaben zu Biomethan, Bioöl, biogenem Flüssiggas bzw. Wasserstoff beachtet werden. Zum heutigen Tag ist nicht genau absehbar, wie sich die Preise für fossil betriebene Heizungsanlagen und die beizumischenden Öko-Quoten in Zukunft entwickeln werden. Deshalb raten vor allem Verbraucherschutzorganisationen vom Einbau solcher Heizungssysteme ab (vgl. Verbraucherzentrale Sachsen 2026).

© Shutterstock/Monkey Business

Dezentrale Gebiete dominieren

Verschiedene Modellrechnungen und Szenarien belegen, dass dezentrale Gebiete der mit Abstand dominierende Gebietstyp in deutschen Kommunen sein werden. Ihm werden zwischen 70 und 90 Prozent Versorgungsanteil zugeordnet (vgl. Agora Energiewende, Prognos und GEF 2024: S. 9; LANUK NRW 2024: S. 11), während zentral versorgte Gebiete nur auf bis zu 20 Prozent der versorgten Gebäude kommen. Insbesondere die Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer im ländlichen Raum mit seinen vielen kleinen Kommunen werden sich zu einem sehr großen Teil dezentral versorgen müssen.

Unterstützungsleistungen der Kommune in dezentralen Gebieten

Kommunen sollten in ihrer Strategie- und Maßnahmenplanung dezentrale Gebiete und zentral versorgte Gebiete gleichrangig betrachten. Zwar liegt die Verantwortung für die Heizungswahl oder Sanierungsaktivitäten in dezentralen Gebieten bei den Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümern, dennoch müssen die Kommunen auch dabei unterstützen, dass in den dezentralen Gebieten die Klimaneutralität bis spätestens 2045 erreicht wird. Deshalb hegen die Einwohnerinnen und Einwohner trotzdem die berechtigte Hoffnung, dass sich die Kommune verstärkt auch um die Wärmeversorgung in den dezentralen Gebieten kümmert. Hier kann sie mit konkreten Empfehlungen, Beratungen und Unterstützungen aktiv werden. 

Das KWW empfiehlt Kommunen daher, sich während der KWP frühzeitig mit Unterstützungsangeboten für dezentral versorgte Gebiete zu befassen. In kleinen oder in ländlich geprägten Kommunen werden diese Gebiete den Großteil des Gemeindegebiets umfassen.

Mit diesen Maßnahmen können Kommunen Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer in dezentralen Gebieten unterstützen:

  • Frühzeitig kommunizieren: Oft weiß man schon lange vor Abschluss der KWP, welche Gebiete ganz sicher dezentral versorgt werden müssen. So gewinnen Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer Zeit, ihre Wärmeversorgung umzustellen. 
  • Sanierungsmanagement einrichten (gegebenenfalls über umfassende Finanzierung durch das seit November 2025 temporär reaktivierte Programm KfW 432, allerdings Förderstopp für Neuanträge seit Mai 2026): Diese Stelle kann im Ortsteil auch weitere Beratungsaufgaben übernehmen (zum Beispiel für Lärmschutz, mehr Grün, Verkehrsvermeidung). 
  • Örtliche Initiativen: Kommunen können lokale Aktionen wie Wärmestammstiche anregen und unterstützen, ohne sie selbst zu organisieren. 
  • Einfache Sanierungsmaßnahmen unterstützen: Bürgerberatungsinitiativen und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren können einfache Sanierungsmaßnahmen wie die Kellerdeckendämmung anleiten oder Wärmepumpenberatungen beziehungsweise Planspiele durchführen (siehe auch unser Team-Wärme-Planspiel). Diese Initiativen können initiiert und unterstützt werden. 
  • Handwerk einbeziehen: Austausche und Abstimmungen mit dem örtlichen Sanitär-, Heizungs- und Klima-, dem Bau- sowie dem Schornsteinfeger-Handwerk fördern einheitlichere Botschaften. 
  • Interkommunaler Austausch: Der Wissens- und Erfahrungsaustausch anderen Kommunen, Landkreisen zeigt bewährte Maßnahmen. 
  • Ortsteile kontinuirlich mitdenken: Bieten Sie auch in den einzelnen Ortslagen regelmäßig und unterschiedliche Aktivitäten zum Thema an, um Bürgerinnen und Bürger dann zu motivieren, zu befähigen und zu aktivieren, wenn es bei ihnen relevant wird. 

KWW-Angebote für dezentrale Gebiete

Die folgenden KWW-Angebote unterstützen Sie dabei, Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer in Gebieten ohne Wärmenetz frühzeitig zur Wärmewende zu informieren und beim Umstieg auf eine Erneuerbare-Energien-Heizung zu begleiten.

Umsetzung der KWP in dezentral versorgten Gebieten (KWW-Lotsenprogramm: Vertiefungswissen)

Was bedeutet die Kommunale Wärmeplanung (KWP) für Gebiete ohne Wärmenetz? Im fünften Teil der Vertiefungsvideos zum KWW-Lotsenprogramm werden die besonderen Herausforderungen und Chancen dezentral versorgter Gebiete behandelt.

Quellen

Agora Energiewende, Prognos und GEF (2024). Wärmenetze – klimaneutral, wirtschaftlich und bezahlbar. Wie kann ein zukunftssicherer Business Case aussehen? Online verfügbar unter: https://www.agora-energiewende.de/publikationen/waermenetze-klimaneutral-wirtschaftlich-und-bezahlbar, Zugriff am: 15. Januar 2026.

Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV): Wärmestudie NRW: Daten für die Wärmewende Kernergebnisse der Szenarienanalyse. September 2024. https://www.energieatlas.nrw.de/site/Media/Default/Dokumente/LANUV_Kernergebnisse_Szenarienanalyse_Waermestudie%20NRW_05092024.pdf, Zugriff am: 15. Januar 2026.

Verbraucherzentrale Sachsen: Gebäudemodernisierungsgesetz: Kostenspirale für Hauseigentümer*innen. 11. Juni 2026. https://www.verbraucherzentrale-sachsen.de/pressemitteilungen/gebaeudemodernisierungsgesetz-kostenspirale-fuer-hauseigentuemerinnen-123170, Zugriff am: 14. August 2026.
 

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