Dezentrale Gebiete mit klimaneutraler Wärme versorgen
In vielen Kommunen wird die Wärmeversorgung der Zukunft dezentral organisiert. Doch was bedeutet das konkret für Kommunen und Gebäudeeigentümerinnen und Gebäudeeigentümer? Hier erfahren Sie, wie dezentrale Gebiete in der Kommunalen Wärmeplanung (KWP) definiert sind, welche Heizungsarten infrage kommen und wie Sie als Kommune die Wärmewende aktiv mitgestalten können.

Gebietstyp dezentrale Gebiete
Dezentrale Gebiete sind ein bestimmter Gebietstyp im Rahmen der KWP. In diesen Gebieten ist aus wirtschaftlichen, räumlichen oder akteursspezifischen Gründen im Wärmeplan kein Wärme-, Wasserstoff- oder Gasnetz mit erneuerbaren Energien vorgesehen. Es wird daher voraussichtlich keine zentrale Wärmeversorgung, sondern eine gebäudeindividuelle Versorgung geben. In einem überwiegend dezentral versorgten Gebiet ist es dennoch möglich, neben der weitgehenden individuellen Wärmeversorgung auch ein kleineres Gebäudenetz zu betreiben. Die dezentrale Zuordnung bleibt dennoch bestehen.
Kriterien dezentraler Gebiete
Diese Kriterien charakterisieren dezentrale Gebiete:
- geringe Wärmedichte
- große Abstände zwischen den Gebäuden
- geringe (erwartete) Netzanschlussdichte
- starke Einfamilienhausdominanz
Weitere Gründe für die Festlegung als dezentrales Gebiet:
- fehlende wirtschaftliche Perspektive für Netze
- fehlende erschließbare Wärmequellen in der Nähe
- topografische Gründe oder Barrieren (Bahntrassen, Autobahnen), die eine zentrale Versorgung verhindern
Mögliche Heizungsarten in dezentralen Gebieten
Die KWP legt keine individuellen Heizungsarten fest und ist damit technologieoffen. Allgemein wird die Luft-Wasser-Wärmepumpe als die dominierende Heizungsart angesehen. Gerade in Gebieten mit Bestandsgebäuden und aufgelockerter Bebauung ist ein effizienter und klimafreundlicher Betrieb solcher Wärmepumpen möglich, zumindest nach Teilsanierungen und dem Austausch einzelner Heizkörper. Diese Erkenntnisse liefert ein Forschungsprojekt des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE (2025). Die hier betrachteten Wärmepumpen erreichten durchschnittlich gute bis sehr gute Jahresarbeitszahlen. Die CO2-Emissionen lagen um zwei Drittel niedriger als jene von Erdgasheizungen. Je nach Standort sind weitere Wärmepumpenarten wie Erdwärmepumpen oder Grundwasserwärmepumpen möglich. Auch Biomasseanlagen wie Holzpellet- oder Scheitholzkessel sind in den verschiedensten Kombinationen denkbar, soweit sie das Gebäudeenergiegesetz einhalten (vgl. BMWSB 2026).
Dezentrale Gebiete dominieren
Verschiedene Modellrechnungen und Szenarien belegen, dass dezentrale Gebiete der mit Abstand dominierende Gebietstyp in deutschen Kommunen sein werden. Ihm werden zwischen 70 und 90 Prozent Versorgungsanteil zugeordnet (vgl. Agora Energiewende, Prognos und GEF 2024: S. 9; LANUK NRW 2024: S. 11), während zentral versorgte Gebiete nur auf bis zu 20 Prozent der versorgten Gebäude kommen. Insbesondere die Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer im ländlichen Raum mit seinen vielen kleinen Kommunen werden sich zu einem sehr großen Teil dezentral versorgen müssen.
Unterstützungsleistungen der Kommune in dezentralen Gebieten
Kommunen sollten in ihrer Strategie- und Maßnahmenplanung dezentrale Gebiete und zentral versorgte Gebiete gleichrangig betrachten. Zwar liegt die Verantwortung für die Heizungswahl oder Sanierungsaktivitäten in dezentralen Gebieten bei den Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümern, dennoch müssen die Kommunen auch dabei unterstützen, dass in den dezentralen Gebieten die Klimaneutralität bis spätestens 2045 erreicht wird. Deshalb hegen die Einwohnerinnen und Einwohner trotzdem die berechtigte Hoffnung, dass sich die Kommune verstärkt auch um die Wärmeversorgung in den dezentralen Gebieten kümmert. Hier kann sie mit konkreten Empfehlungen, Beratungen und Unterstützungen aktiv werden.
Das KWW empfiehlt Kommunen daher, sich während der KWP frühzeitig mit Unterstützungsangeboten für dezentral versorgte Gebiete zu befassen. In kleinen oder in ländlich geprägten Kommunen werden diese Gebiete den Großteil des Gemeindegebiets umfassen.
Mit diesen Maßnahmen können Kommunen Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer in dezentralen Gebieten unterstützen:
- Frühzeitig kommunizieren: Oft weiß man schon lange vor Abschluss der KWP, welche Gebiete ganz sicher dezentral versorgt werden müssen. So gewinnen Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer Zeit, ihre Wärmeversorgung umzustellen.
- Sanierungsmanagement einrichten (gegebenenfalls über umfassende Finanzierung durch das seit November 2025 wieder neu aufgelegte Programm KfW 432): Diese Stelle kann im Ortsteil auch weitere Beratungsaufgaben übernehmen (zum Beispiel für Lärmschutz, mehr Grün, Verkehrsvermeidung).
- Örtliche Initiativen: Kommunen können lokale Aktionen wie Wärmestammstiche anregen und unterstützen, ohne sie selbst zu organisieren.
- Einfache Sanierungsmaßnahmen unterstützen: Bürgerberatungsinitiativen und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren können einfache Sanierungsmaßnahmen wie die Kellerdeckendämmung anleiten oder Wärmepumpenberatungen beziehungsweise Planspiele durchführen (siehe auch unser Team-Wärme-Planspiel). Diese Initiativen können initiiert und unterstützt werden.
- Handwerk einbeziehen: Austausche und Abstimmungen mit dem örtlichen Sanitär-, Heizungs- und Klima-, dem Bau- sowie dem Schornsteinfeger-Handwerk fördern einheitlichere Botschaften.
- Interkommunaler Austausch: Der Wissens- und Erfahrungsaustausch anderen Kommunen, Landkreisen zeigt bewährte Maßnahmen.
- Ortsteile kontinuirlich mitdenken: Bieten Sie auch in den einzelnen Ortslagen regelmäßig und unterschiedliche Aktivitäten zum Thema an, um Bürgerinnen und Bürger dann zu motivieren, zu befähigen und zu aktivieren, wenn es bei ihnen relevant wird.
Umsetzung der KWP in dezentral versorgten Gebieten (KWW-Lotsenprogramm: Vertiefungswissen)
Was bedeutet die Kommunale Wärmeplanung (KWP) für Gebiete ohne Wärmenetz? Im fünften Teil der Vertiefungsvideos zum KWW-Lotsenprogramm werden die besonderen Herausforderungen und Chancen dezentral versorgter Gebiete behandelt.
Quellen
Agora Energiewende, Prognos und GEF (2024). Wärmenetze – klimaneutral, wirtschaftlich und bezahlbar. Wie kann ein zukunftssicherer Business Case aussehen? Online verfügbar unter: https://www.agora-energiewende.de/publikationen/waermenetze-klimaneutral-wirtschaftlich-und-bezahlbar, Zugriff am 15. Januar 2026.
Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB): Gebäudeenergiegesetz (GEG). O. D. https://www.bmwsb.bund.de/DE/bauen/innovation-klimaschutz/gebaeudeenergiegesetz/GEG-Top-Thema-Artikel.html?nn=42730, Zugriff am: 20. Januar 2026.
Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV): Wärmestudie NRW: Daten für die Wärmewende Kernergebnisse der Szenarienanalyse. September 2024. https://www.energieatlas.nrw.de/site/Media/Default/Dokumente/LANUV_Kernergebnisse_Szenarienanalyse_Waermestudie%20NRW_05092024.pdf, Zugriff am 15. Januar 2026.
Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE (Fraunhofer ISE): Wärmepumpen heizen auch im Altbau klimafreundlich. 3. November 2025. https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/presseinformationen/2025/waermepumpen-heizen-auch-im-altbau-klimafreundlich-forschungsprojekt-des-fraunhofer-ise-abgeschlossen.html, Zugriff am 15. Januar 2026.
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