
Kleine Kommunen
Mit den kleinen Kommunen steht und fällt die Wärmewende
85 Prozent aller Gemeinden haben hierzulande weniger als 10.000 Einwohnende. Sie müssen nun in die Planung starten, um 2028 einen Wärmeplan vorlegen zu können. Eine Aufgabe, die viele Herausforderungen birgt – aber auch Chancen bietet.
Kleine Kommunen
Mit den kleinen Kommunen steht und fällt die Wärmewende
85 Prozent aller Gemeinden haben hierzulande weniger als 10.000 Einwohnende. Sie müssen nun in die Planung starten, um 2028 einen Wärmeplan vorlegen zu können. Eine Aufgabe, die viele Herausforderungen birgt – aber auch Chancen bietet.

Die Kommunale Wärmeplanung (KWP) ist der zentrale Hebel der deutschen Energiewende. In den kommenden Jahren sind alle Kommunen verpflichtet, Wärmepläne zu erstellen, um eine bezahlbare, klimaneutrale und verlässliche Wärmeversorgung sicherzustellen. Städte und Gemeinden unterscheiden sich dabei hinsichtlich ihrer Herausforderungen und Chancen – und somit letztendlich auf ihrem Weg zum fertigen Wärmeplan.
Ein Blick auf den aktuellen Stand der KWP zeigt, dass insbesondere kleine Kommunen aktuell noch abwarten: Nur 5 Prozent aller Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnerinnen und Einwohnern haben bereits einen fertigen Wärmeplan, erst 42 Prozent sind in den Prozess gestartet (Stand Oktober 2025). Für sie stellt die KWP einen enormen Kraftakt dar. Da sie mit 9.149 Gemeinden das Gros der Kommunen in Deutschland ausmachen, müssen sie in der Wärmewende eine stärkere Berücksichtigung finden.
Anteil kleiner Kommunen in Deutschland

Was sind kleine Kommunen?
Das Gesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze (WPG) differenziert Kommunen zwar stellenweise nach Einwohnendenzahlen. Kleine Kommunen werden jedoch nicht definiert – der Begriff bleibt also vage. Als Orientierung kann die Grenze von 10.000 Einwohnenden dienen: Gemeinden mit einer kleineren Bevölkerung können auf eine vereinfachte Wärmeplanung zurückgreifen, wenn diese zuvor vom Landesgesetzgeber definiert wurde. Allerdings gibt es auch zwischen den 9.149 Kommunen mit bis zu 10.000 Einwohnenden erhebliche Unterschiede. Die Mehrzahl darunter hat mit 7.700 Kommunen sogar weniger als 5.000 Einwohnende.

Potenzial für Wärmenetze auch in kleinen Kommunen
Die Gründe für die abwartende Haltung kleiner Kommunen sind zahlreich. Etwa 70 Prozent der kleinen Kommunen gaben in der KWW-Kommunenbefragung 2024 an, aufgrund fehlender finanzieller und personeller Ressourcen noch nicht mit der Wärmeplanung zu beginnen. Hinzu kommen Unklarheiten in Bezug auf den rechtlichen Rahmen, den das Wärmeplanungsgesetz vorgibt: So werden die Vereinfachungsmöglichkeiten für Gemeinden mit bis zu 10.000 Einwohnenden als kompliziert und unzureichend wahrgenommen. Außerdem verfügen die meisten kleinen Kommunen weder über ein Wärmenetz noch über Akteurinnen und Akteure, die ein solches errichten könnten – eine dezentrale Versorgung scheint deshalb für viele vorhersehbar, dementsprechend gering sind die Erwartungen an die Wärmeplanung: Jede 5. kleine Kommune hat laut der KWW-Kommunenbefragung 2024 insgesamt keine oder geringe Erwartungen an die KWP. Gleichzeitig wird eine Enttäuschung seitens der Bürgerinnen und Bürger befürchtet, die sich vom Wärmeplan eine verbindliche Antwort darauf erhoffen, welche Versorgungsarten ihnen zukünftig zur Verfügung stehen werden – und damit möglicherweise eine Alternative zur Wärmepumpe erhalten.
Dabei ist keine Versorgungslösung von vornherein ausgeschlossen: Auch wenn die dezentrale Versorgung in weiten Teilen des Landes die wahrscheinlichste ist, gibt es auch im ländlichen Raum das Potenzial für Wärmenetze. Ein motivierendes Beispiel dafür ist das Nahwärmenetz der bayerischen Gemeinde Dornhausen, die gerade einmal 238 Einwohnerinnen und Einwohnern zählt. Bürgerinnen und Bürger gründeten eine Genossenschaft, in der 92 Prozent der Hauseigentümerinnen und -eigentümer Mitglied sind. Die Energie für das Nahwärmenetz erzeugen zwei Blockheizkraftwerke. Während der Strom ins allgemeine Netz eingespeist wird, versorgt die Abwärme die Häuser der Genossenschaftsmitglieder – auch zugunsten der regionalen Wertschöpfung.
- In Bundorf im Landkreis Haßberge wurde durch einer Energiegenossenschaft ein Bürgersolarpark mit einer Leistung von 125 Megawatt errichtet. Da sich durch die Kopplung von Strom und Wärme die Wirtschaftlichkeit verbessert, war das Projekt Anlass für die Konzeption eines Wärmenetzes. Das Prinzip: Ein kleiner Anteil von 1,5 Megawatt wird ausgekoppelt und versorgt zwei Großwärmepumpen. Diese erzeugen strommarktgeführt Wärme, die in einem Pufferspeicher gespeichert wird, um das Wärmenetz zu versorgen. Das passiert vor allem dann, wenn die Strompreise niedrig sind. Durch die Eigenerzeugung des benötigten Stroms werden außerdem Stromkosten vermieden. Ein Biomassekessel dient zudem als Spitzenlastreserve.
- Im hessischen Bracht, einem Ortsteil der Stadt Rauschenberg mit 845 Einwohnenden, wurde ein Erdbeckenspeicher durch eine Genossenschaft errichtet, um die Wärme aus dem Sommer im Winter nutzbar zu machen. Er wird durch die Wärme einer Solarthermieanlage sowie eines Holzkessels gespeist und durch eine Wärmepumpe sowie einen Biomassekessel betrieben – eine geniale technische Lösung, die es erlaubt, den Speicher kleiner zu bauen und den solaren Deckungsgrad zu reduzieren. Das spart Platz und Kosten. Initiiert wurde das Projekt schon im Jahr 2013 initiiert, als im Ort die Frage diskutiert wurde, wie man das Dorf attraktiver machen kann.
Vorteile in den Vordergrund rücken
Good Practices wie diese zeigen, dass die Wärmewende in kleinen Kommunen auch eine Möglichkeit ist, den ländlichen Raum zu stärken und eine breite Akzeptanz für den Transformationsprozess zu schaffen. Die Kommunale Wärmeplanung ist dabei nur der erste Schritt auf einem langen Weg. Sie stellt eine Chance dar, die Wärmeversorgung lokal zu gestalten und ist keine reine Pflichtaufgabe. Deshalb ist es wichtig, auch die Vorteile kleiner Kommunen in den Vordergrund zu rücken. Zum Beispiel, dass die Siedlungsstruktur weniger komplex als die einer Großstadt ist, die Wärmebedarfe geringer (d.h. auch kleine Projekte können eine große Wirkung erzielen) und mehr Flächen verfügbar sind. Niedrigere Tiefbaukosten als in den Großstädten können sich positiv auf die Wirtschaftlichkeit auswirken. Ankerkunden und Potenziale für erneuerbare Energien sowie zu beteiligende Akteurinnen und Akteure sind oft schon bekannt. Diese Übersichtlichkeit kann die Planung von Projekten in kleinen Kommunen vereinfachen.
Darüber hinaus gibt es auch für die dezentrale Versorgung bereits einige Beispiele, die die Akzeptanz der Wärmewende in der Bevölkerung fördern können: Potenzielle Maßnahmen reichen vom Wärmepumpen-Contracting über (eigeninitiierte) Beratungsangebote für Bürgerinnen und Bürger bis hin zu Förderprogrammen.
So bietet beispielsweise der Regionalversorger Enercity in seinem Versorgungsgebiet der Region Hannover auch in kleinen Kommunen ein Rundum-Paket zum Mieten von Wärmepumpen mit Vertragszeiten von 10 oder 15 Jahren und inklusive Wartung, Instandhaltung und eventuellen Ersatz an.
Im Dorf Schnorbach im Rhein-Hunsrück-Kreis konnten Einwohnende verschiedene Unterstützungsangebote in Anspruch nehmen – darunter etwa eine kostenlose Energieberatung, eine Förderung für den hydraulischen Abgleich oder einen Zuschuss für Wärmepumpen. Die Finanzierung erfolgte durch Einnahmen aus einem örtlichen Windpark.
Mehr Sichtbarkeit für das Gelingen der Wärmewende
Insgesamt leben 25 Prozent aller Menschen in Deutschland in kleinen Kommunen – damit steht und fällt der Erfolg der Wärmewende mit dem ländlichen Raum. Damit die Kommunale Wärmeplanung hier gelingt, braucht es neben einer besseren Sichtbarkeit von Good Practices auch Angebote wie Vorlagen, Checklisten und Arbeitshilfen für die Akteurinnen und Akteure vor Ort. Nur wenn die Besonderheiten und spezifischen Probleme kleiner Kommunen ernst genommen werden, können diese die Kommunale Wärmeplanung mit ihren verfügbaren Ressourcen erfolgreich meistern.

Die Kommunale Wärmeplanung als Chance verstehen
Darüber hinaus sollten kleine, ländliche Kommunen die Wärmewende als Chance verstehen, die Wärme für die eigene Kommune zukünftig auch in der Kommune zu erzeugen. Auch wenn es auf den ersten Blick oft nicht so scheint, verfügen kleine Kommunen über Vorteile, um die Großstädte sie nur beneiden können. Diese günstigen Standortfaktoren zu nutzen, kann die regionale Wirtschaft stärken. Sie in den Vordergrund zu stellen und nicht immer nur über die Herausforderungen und Schwierigkeiten zu reden, ist zentral für das Gelingen der Wärmewende.
Empfehlungen für kleine Kommunen
- Nichts ist ausgeschlossen – es gilt, die örtlichen Gegebenheiten und vor allem die Standortvorteile zu betrachten.
- Die Wirtschaftlichkeit sollte nicht als einziges Entscheidungskriterium betrachtet werden (zum Beispiel können Wärmenetze trotz höherer Wärmepreise für Eigentümer bequemer sein).
- Die Wirtschaftlichkeit ist abhängig vom Betreiber- und Finanzierungsmodell: Eine Genossenschaft hat andere Renditeerwartungen als ein privater Dritter
- Entscheidend sind oft die Akteurinnen und Akteure vor Ort.
- Es heißt Wärmeplanung und nicht Fernwärmeplanung: Auch wenn die dezentrale Versorgung die wahrscheinlichste ist, heißt das nicht, dass die Wärmeplanung keinen Mehrwert bietet. Ganz im Gegenteil: Insbesondere hier sollte die Kommune Maßnahmen zur Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger prüfen.

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