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Akzeptanzkommunikation

Wärmewende anschaulich machen: Akzeptanz in der Breite ermöglichen

Akzeptanz ist ein wichtiger Baustein für den Erfolg der Wärmewende. Nur wenn die Bürgerschaft die Wärmewende für notwendig und nachvollziehbar hält, unterstützt sie auch ihre Umsetzung. Ein Blick auf die Ausgangssituation und mögliche Lösungsansätze.

Das big picture stimmt optimistisch: Umfragen wie die AEE-Akzeptanzumfrage 2024 zeigen eine deutliche Zustimmung zur Energiewende. Etwa 80 Prozent der deutschen Bevölkerung halten den Ausbau der Erneuerbaren generell für „wichtig“ beziehungsweise „außerordentlich wichtig“. 57 Prozent befürworten deren Einsatz auch in der eigenen Wohnumgebung (86 Prozent sind es sogar unter Menschen mit positiven Vorerfahrungen) (vgl. AEE 2024; bzgl. der allgemeinen Zustimmung siehe auch: Wolf et al. 2021 – 2023; Wolf et al. 2023: S. 2; Knoche et al. 2024: S. 14).

Studien zeigen zudem eine gesamtgesellschaftliche Tendenz, die reale Akzeptanz der Wärmewende allgemein und bestimmter Maßnahmen speziell zu unterschätzen. So stellen Wolf et al. 2023 fest, dass die tatsächliche Befürwortung einzelner klimapolitischer Maßnahmen wie etwa des Ausbaus von Windkraftanlagen in der Wohnumgebung um teilweise mehr als 20 Prozent unterschätzt wird (vgl. S. 17; siehe auch: Heyen und Schmitt 2024: S. 16). Sie warnen davor, dass „[s]ystematische Fehleinschätzungen der öffentlichen Meinung […] dazu führen [können], dass Betroffene ihre eigenen Anstrengungen für den Klimaschutz verringern und weniger offen für ihre politischen Vorstellungen eintreten“ (Wolf et al. 2023: S. 16).

Was ist Akzeptanz?

Schubert und Klein fassen in ihrem Politiklexikon Akzeptanz als „die aktive Zustimmung zu den Entscheidungen oder dem Verhalten einer anderen Person oder Gruppe bzw. die bewusste Hinnahme gegebener (sozialer, ökonomischer, politischer) Bedingungen.“  Die Öffentlichkeitskommunikation im Rahmen der Kommunalen Wärmeplanung (KWP) sollte also über die passive Duldung der Wärme- und Energiewende vor Ort hinaus die Aktivierung der Zivilgesellschaft im Sinne einer Unterstützung der Maßnahmen befördern. Diese Funktion erfüllt die Akzeptanzkommunikation, indem sie die kommunikativen Voraussetzungen dafür schafft, dass Menschen die Transformationsprozesse unterstützenbefürworten oder wenigstens billigen. Als meinungsbildende Kommunikation muss sie dabei die Vielfalt der individuellen Personen und Zielgruppen berücksichtigen.

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Die Umsetzung der Wärmewende braucht mehr Sichtbarkeit

Auf der kommunalen Ebene sieht die Lage komplizierter aus. Hier zeigt sich ein verbreitetes Informationsdefizit insbesondere im Hinblick auf die konkreten Umsetzungsmaßnahmen der Wärmewende vor Ort. So geben etwa 58 Prozent an, nicht mit den lokalen Umsetzungsmaßnahmen der Wärmewende in ihrer Kommune vertraut zu sein (vgl. Steinbeis/IKOME und IMK 2025: S. 12). 74 Prozent geben sogar an, in der letzten Zeit keine Aktivitäten zu deren Umsetzung in ihren Kommunen wahrgenommen zu haben (vgl. Steinbeis/IKOME und IMK 2025: S. 14).

Auch die Politik hinter der Umsetzung der Energiewende erscheint vielen als Störfaktor. Im Sozialen Nachhaltigkeitsbarometer von Ariadne gaben mehr als 50 Prozent die „politische Umsetzung“ als größten Störfaktor bei der Umsetzung der Energiewende an (Wolf et al. 2023: S. 19). Bemängelt werden unter anderem die langsame Geschwindigkeit der Transformation, eine „mangelnde Vorausschau und Planung bei der Gestaltung“ sowie eine „fehlende Handlungsbereitschaft der Politik“ (Wolf et al. 2023: S. 18).

Und nicht nur in Bezug auf Umsetzungsmaßnahmen, sondern auch hinsichtlich des Wissens zu „Energieeffizienz- und Wärmeversorgungstechniken“ und bestehenden „Förderprogrammen“ herrscht ein Wissensdefizit, das die Akzeptanz für die Wärme- und Energiewende einschränken kann (UBA 2024 „Akzeptanz“: S. 94, 104).

Die Akzeptanzkommunikation in der Wärmewende muss also einigen Herausforderungen begegnen. Wollen Kommunen wirksam kommunizieren und die Akzeptanz vor Ort stärken,  müssen sie sich genau mit den adressierten Zielgruppen sowie deren spezifischen Informationsbedarfen beschäftigen.

Diese Informationen wünscht sich die Bürgerschaft

Das Gesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze (Wärmeplanungsgesetz, WPG) verpflichtet Kommunen dazu, die Öffentlichkeit frühzeitig und fortlaufend über die Kommunale Wärmeplanung (KWP) zu informieren (§ 7) sowie im Internet Meilensteine, Zwischenergebnisse und den Entwurf des Wärmeplans zu veröffentlichen (§ 13). 

Die bereits skizzierten Herausforderungen der Akzeptanz in der Wärmewende zeigen allerdings, dass auch über diese Mindestanforderungen hinaus ein größerer Informationsbedarf  besteht: Bürgerinnen und Bürger wünschen sich insbesondere Informationen zu persönlichen und allgemeinen Kosten der Wärmewende (vgl. Steinbeis/IKOME und IMK 2025: S. 18), zu (zum Beispiel finanziellen, aber auch gesundheitlichen oder ökologischen) Chancen und Risiken und möglichen Fördermitteln zur Umstellung der Heizung (vgl. UBA 2024 „Akzeptanz“: S. 103 – 104; Steinbeis/IKOME und IMK 2025: S. 18, siehe auch S. 16) sowie zum konkreten Ablauf des Planungsverfahren (vgl. Steinbeis/IKOME und IMK 2025: S. 18, siehe auch S. 24). Auch eine intensivere und frühzeitige Beteiligung wird gefordert (vgl. UBA 2024 „Akzeptanz“: S. 104 – 107; Steinbeis/IKOME und IMK 2025: S. 16, 18, 22).

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Good Practices aus den Kommunen

Die Stadt Halle (Saale) stellt auf ihrer Projektwebseite umfassende Informationen bereit: Neben den gesetzlichen Grundlagen und dem Ablauf der Wärmeplanung vor Ort, Erklärfilm finden Bürgerinnen und Bürger online auch einen Erklärfilm sowie den Link zum WärmeAtlas der EVH, der als interaktive Karte für jede Adresse im Stadtgebiet den aktuellen Status der Fernwärmeversorgung ausgibt.

Ein weiteres Good Practice für eine gelungene Projektwebseite bietet die Seite der Stadt München zur Kommunalen Wärmeplanung. Neben grundlegenden Informationen und Antworten auf häufig gestellte Fragen teilt die Stadt hier auch Erfahrungsberichte von verschiedenen Bürgerinnen und Bürgern zur Umstellung der Wärmeversorgung.

Wie kleinere Kommunen ihre Projektwebseite aufbauen können, zeigt die Stadt Plauen. Auch hier finden Bürgerinnen und Bürger alle wichtigen Informationen zum aktuellen Stand der Wärmeplanung vor Ort.

Prinzipien der Akzeptanzkommunikation

Die folgenden Prinzipien unterstützen bei der Vermittlung dieser Informationen und helfen damit, die gesellschaftliche Akzeptanz für die Wärmewende vor Ort zu steigern.

Akzeptanzkommunikation sollte die gesellschaftliche Vielfalt berücksichtigen.

Die Öffentlichkeit stellt keine homogene Gruppe dar, sondern setzt sich aus verschiedenen Milieus zusammen, die auf unterschiedliche Weise Informationen einholen und verarbeiten (vgl. BLM, JGU und Rheingold Institut 2025). Nicht alle Zielgruppen können umfassend über ein Medium allein abgeholt werden. Daher ist es sinnvoll, weiterhin auch klassische lokale Printmedien in Kombination mit sozialen Medien zur Verbreitung von Informationen über die KWP zu verwenden. Eine medienübergreifende, zielgruppenspezifische Kommunikation stellt sicher, dass die Bürgerinnen und Bürger vor Ort unabhängig von ihrer Milieuzugehörigkeit über Start, Stand, Ziel und Bedeutung der KWP informiert sind. (Vgl. auch Heyen und Schmitt 2024: S. 16 – 17)

Die Wärmewende sollte als persönlich relevant kommuniziert werden.

Das Missverhältnis zwischen allgemeiner Befürwortung der Energiewende und Kritik an der konkreten politischen Umsetzung zeigt: Es braucht an Stelle einer generellen Einordnung der Energiewende oder des Klimawandelns vor allem konkrete Informationen zu den Maßnahmen und Instrumenten der Wärmewende  (vgl. auch Heyen und Schmitt 2024: S. 13). Die bereitgestellten Informationen sollten dabei insbesondere die persönliche Betroffenheit sowie das Potenzial, als Bürgerin oder Bürger selbstwirksam handeln zu können, herausstellen (vgl. Heyen und Schmitt 2024: S. 14). Bürgerinnen und Bürger wünschen sich Informationen darüber, wie sie selbst finanziell und lebenspraktisch von der Wärmewende vor Ort betroffen sind. Außerdem sollte die übergreifende Akzeptanz für die Energie-/Wärmewende deutlicher kommuniziert werden, um „pluralistische[r] Ignoranz“, also dem Phänomen der systematischen Unterschätzung, begegnen zu können (Wolf et al 2023: S. 16; siehe auch Heyen und Schmitt 2024: S. 16).

Die Informationen sollten allgemein verständlich und nachvollziehbar sein.

Eine generelle Voraussetzung für das Verständnis und damit für die Akzeptanz der Wärmewende stellt die sprachliche Zugänglichkeit der Informationen dar. Alle müssen verstehen können, was die Wärmewende konkret für die eigene Situation bedeutet. Die Kommune muss hier dafür sorgen, frühzeitig und klar insbesondere zu finanziellen Aspekten (Kosten, Verteilung der Kosten), aber auch zu persönlichen Vorteilen durch die Wärmewende, der allgemeinen Befürwortung und dem generellen Nutzen der Wärmewende zu kommunizieren (vgl. Heyen und Schmitt 2024: S. 16 – 17).

Alle Akteurinnen und Akteure müssen voneinander lernen können.

Die Akzeptanzkommunikation der Kommunen richtet sich in erster Linie an die Bürgerschaft/Öffentlichkeit vor Ort, schließt aber auch die anderen Akteurinnen und Akteure im Rahmen der Kommunalen Wärmeplanung mit ein. Das Umweltbundesamt (UBA) formuliert mit dem Konzept „Systematisches Lernen“ einen Ansatz der Kommunikation, bei dem alle Akteurinnen und Akteure innerhalb einzelner sowie zwischen verschiedenen Governance-Ebenen über institutionalisierte Kanäle voneinander lernen und sich miteinander austauschen können (vgl. UBA 2024 „Instrumente“: S. 11 – 12). Dadurch wird sichergestellt, dass die verschiedenen kommunalen Akteurinnen und Akteure der KWP gemeinsam Ziele, Herausforderungen und Lösungsstrategien erarbeiten und am Ende auch konsistent an andere Kommunen und andere Governance-Ebenen kommunizieren können (vgl. UBA 2024 „Instrumente“: S. 21 – 29). 

Nicht nur die Wärmewende, auch die Kommunikation sollte gemeinschaftlich umgesetzt werden.

Auf der Grundlage größerer Zusammenarbeit und Kommunikation kann eine sogenannte „Akteursallianz“, ein Zusammenschluss zwischen den verschiedensten lokalen Akteurinnen und Akteuren (zum Beispiel Handwerkerinnen und Handwerkern, Vereinen, Gewerkschaften, Kirchen etc.) entstehen (Heyen und Schmitt 2024: S. 16). Diese kommunizieren dann koordiniert über die Wärmewende vor Ort und tragen die Informationen, das Wissen und das Verständnis in die verschiedenen sozialen Milieus und Gruppen. So erhöht sich nicht nur die Reichweite der Kommunikation, sondern die verbreiteten Informationen gewinnen auch an Glaubwürdigkeit, da sie dem Einzelnen von vertrauensvollen Personen aus dem konkreten Lebensumfeld vermittelt werden. (Vgl. Heyen und Schmitt 2024: S. 15; siehe auch UBA 2025: S. 31).

Falschinformationen müssen immer adressiert werden.

Durch sogenanntes „prebunking“ und eine proaktive, transparente Kommunikation zur Wärmewende können wir Falschinformationen adäquat begegnen (vgl. Heyen und Schmitt 2024: S. 16; siehe auch Schrader 2022: S. 351). Falsche Informationen sollten zudem immer und auch mehrmals korrigiert werden: Die wiederholte Entkräftung und Widerlegung von Falschinformationen trägt dazu bei, neben den faktischen Fehlern auch die häufig zugrunde liegende emotionale Verwurzelung von Falschinformationen und Verschwörungstheorien zu adressieren (vgl. Schrader 2022: S. 351 – 353).

KWW-Kommunikationshilfen

Unsere KWW-Kommunikationshilfen unterstützen Sie dabei, Kommunale Wärmeplanung (KWP) und Wärmewende zu kommunizieren. Neben praktischen Tipps zur zielgruppengerechten Aufbereitung von Informationen stellen wir Ihnen auch Antworten auf gängige Falschinformationen zur Verfügung. Die Inhalte werden fortlaufend ergänzt.

zu den KWW-Kommunikationshilfen
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Weitere Unterstützung für Kommunen

Als Kompetenzzentrum Kommunale Wärmewende (KWW) unterstützen wir Sie als Kommune durch verschiedene weitere Angebote bei der Akzeptanzkommunikation im Rahmen der Kommunalen Wärmewende und Wärmeplanung. Neben relevanten Aufzeichnungen von Veranstaltungen zum Thema in unserer Mediathek, stehen Ihnen unter anderem auch folgende Produkte zur Verfügung: 

Quellen