Souverän mit Störungen und Widerständen umgehen
Kommunikation geht immer mit Risiken einher. Auf dieser Seite finden Sie Hinweise, wie Sie souverän mit Störungen wie Zwischenrufen auf Informationsveranstaltungen oder beleidigenden Kommentaren in den sozialen Netzwerken umgehen.

Widerständen auf Veranstaltungen begegnen
Unsere Checkliste zeigt, wie Sie Veranstaltungen planen und durchführen, um Störungen bestmöglich zu begegnen. In unserer Entscheidungshilfe wenden Sie Ihr Wissen direkt praktisch an!

Störungen im Netz
Auch in der digitalen Kommunikation kann es zu Störungen kommen. Erfahren Sie, wie Sie mit negativen Kommentaren und anderen Herausforderungen souverän umgehen. Auch hier können Sie Ihr Wissen direkt in der Entscheidungshilfe erproben.

Konfliktschwerpunkte
Nicht alle Konflikte sind ein Problem. Im Gegenteil: Sie bilden einen wichtigen Bestandteil einer lebendigen demokratischen Kultur. Begründeter Widerspruch in der Sache trägt dazu bei, geplante und laufende Projekte zu verbessern und so auch deren gesellschaftliche Akzeptanz zu steigern. (Vgl. dazu auch Wald 2025, Schlumberger und Schuster 2024: S. 1; Barth und Kiefl 2023: S. 1)
Nicht jeder Konflikt ist aber sachlicher Natur. Gerade im kommunalpolitischen Kontext kommt es seit Jahren zu einer zunehmenden Verrohung des öffentlichen Diskurses, die auch mit dem generell schwindenden Vertrauen in politische Akteurinnen und Akteure zusammenhängt (vgl. Fehringer 2021: S. 140 – 141; Schuster und Schlumberger 2024: S. 1). Darüber hinaus tragen Informationsdefizite (etwa hinsichtlich der Kosten, Maßnahmen und Prozesse der Wärmewende), hohe Erwartungshaltungen gegenüber Kommunen und enttäuschte Beteiligungserwartungen aufseiten der Bevölkerung zu Spannungen bei (vgl. Metz 2025: S. 5). Bei steigender Unzufriedenheit kann es zu Konflikten etwa in Form von
- beleidigenden Kommentaren,
- lauten Zwischenrufen bei Veranstaltungen
- oder ähnlichen Störungen durch einzelne Personen kommen.
Um diese Art von Störungen und den Umgang mit ihnen geht es auf dieser Seite.
Die richtigen Informationen kommunizieren
Viele Konflikte können Sie durch eine frühzeitige und transparente Öffentlichkeitskommunikation vermeiden. Welche Informationen besonders wichtig sind und wie Sie diese am besten kommunizieren, erfahren Sie in unserer Kommunikationshilfe zum Informieren.

Störungen im analogen Raum
Jede öffentliche Veranstaltung birgt das Risiko für Störungen. Diese reichen von störenden Zwischenrufen über gekaperte Fragerunden zu verbalen Angriffen. Wie reagieren Sie auf solche und ähnliche Vorfälle? Die folgenden Checklisten und Handlungsempfehlungen geben praktische Hinweise.

Checkliste zum Umgang mit Störungen bei Präsenzveranstaltungen:
Präventive Maßnahmen
So gestalten Sie Veranstaltungen angemessen, um das Risiko für Störungen zu minimieren:
- Notfallplanung: Klären Sie vorab Zuständigkeiten für den Fall einer Störung ab. Wer reagiert wie und in welchen Schritten? Sie können beispielsweise Personal zur Raumbetreuung einplanen, das während der Veranstaltung im Raum anwesend ist und auf einzelne störende Personen gezielt zugehen kann. Das entlastet die Moderation und stellt ein schnelles Eingreifen sicher. In diesem Zusammenhang können Sie auch Umgangsregeln für die Veranstaltung definieren, die Sie zu Beginn der Veranstaltung den Teilnehmenden vorstellen – das sorgt für Transparenz und schafft eine gemeinsame Basis für den Austausch miteinander (vgl. Sächsische Landeszentrale für politische Bildung 2018: S. 14). Eine Regel könnte beispielsweise sein: „Bitte melden Sie sich per Handzeichen, wenn Sie eine Frage stellen möchten.“
- Hausrecht klären: Sollte die Veranstaltung nicht in Ihren eigenen Lokalitäten stattfinden, dann klären Sie die entsprechenden Modalitäten zum Hausrecht: Wer darf wann jemanden des Hauses und der Veranstaltung verweisen? (Vgl. Sächsische Landeszentrale für politische Bildung 2018: S. 16, 17)
- Rechte kennen: Um heikle Situationen angemessen einordnen und reagieren zu können, ist es wichtig, sich über strafrechtliche relevante Kategorien wie „Volksverhetzung“, „Beleidigung“, „Bedrohung“ und ähnliche Tatbestände zu informieren oder im Zweifelsfall entsprechende Beratungsstellen zu kontaktieren. (Vgl. Amadeu Antonio Stiftung 2026: S. 41)
- externe Moderation engagieren: Um das Konfliktpotenzial von Veranstaltungen zu reduzieren sowie die nötige Professionalität und Neutralität der Moderation auch im Umgang mit kommunikativen Herausforderungen sicherzustellen, bietet es sich an, auf externe Fachkräfte für die Moderation von Veranstaltungen zurückzugreifen (vgl. Barth und Kiefl 2023: S. 11; Sächsische Landeszentrale für politische Bildung 2018: S. 7). Geeignete Dienstleistende dafür finden Sie auch in unserem KWW-Dienstleisterverzeichnis.
- frühzeitige, kontinuierliche Akzeptanz- und Öffentlichkeitskommunikation: Je frühzeitiger und kontinuierlicher die Öffentlichkeitskommunikation, desto geringer ist das Risiko, dass sich Konflikte so lange aufstauen, bis sie in etwaigen Veranstaltungen in Form von Störungen hervorbrechen. Eine frühzeitige und gut durchdachte Kommunikation trägt entscheidend zum Vertrauen der Bevölkerung in die politischen Akteurinnen und Akteure bei. (Vgl. Wald 2025, Barth und Kiefl 2023: S. 3) Mehr zum Thema Kommunikationsstrategie im Rahmen der Kommunalen Wärmewende erfahren Sie in unserer Kommunikationshilfe zum Thema.
Situative Maßnahmen
So reagieren Sie als Moderation/referierende Person angemessen in der konkreten Situation auf eine Störung:
- Ruhe bewahren: Lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Nehmen Sie die Störung wahr und halten Sie sich an das Konzept, das Sie in Vorbereitung auf die Veranstaltung entwickelt haben. Sollten Sie kein anderweitiges Konzept zur Reaktion vorbereitet haben, können die nachfolgenden Handlungsempfehlungen als Anleitung dienen.
- Störung ansprechen und reagieren: Es ist wichtig, Störungen direkt anzusprechen und sie nicht einfach zu ignorieren. Einerseits um weitere Störungen zu verhindern und andererseits um nicht den Eindruck zu vermitteln, Kritik zu ignorieren. (Vgl. Sächsische Landeszentrale für politische Bildung 2018: S: 16)
- Störung einordnen: Nicht jede Person verfolgt den gleichen Zweck mit ihrer Störung. Mareike Wald von Lots* unterscheidet zum Beispiel auf Grundlage von Erfahrungen bei Windparkprojekten vier Typen von störenden Personen und listet neben deren jeweiligem Motiv auch angemessene Antwortstrategien. Eine übersichtliche Darstellung dieser Zusammenhänge bietet Wald mit folgender Tabelle:
| Typ | Motivation | Reaktion |
| Die wütende Person | echte Angst, schlechte Erfahrungen | aktives Zuhören, nicht wegdiskutieren |
| Die ideologische Person | politische Agenda gegen die Wärmewende | nicht auf Ebene debattieren – Rahmen halten |
| Die dauerredende Person | Bühne gesucht | freundlich begrenzen: „Wir hören das, andere auch“ |
| Die sabotierende Person | bewusste Störung | transparent benennen: „Wir kommen jetzt zu anderen Fragen“ |
© Tabelle: dena/KWW nach Wald 2025
Handlungsempfehlungen
Aus den vielen verschiedenen Ratschlägen, Guides und Leitfäden, die zum Umgang mit Störungen auf Veranstaltungen existieren, lassen sich einige grundlegende Handlungsempfehlungen zusammenfassend ableiten, an denen Sie sich grundsätzlich orientieren können (vgl. Wald 2025, Metz 2025: S. 11 – 12, Universität Passau o. D., Schlumberger und Schuster 2024, Sächsische Landeszentrale für politische Bildung 2018: S. 16 – 17):
- Störungen wahrnehmen und adressieren
- Einzelfall richtig einschätzen und geeignete Maßnahmen identifizieren
- auf emotionale Redebeiträge mit Empathie reagieren, nicht sachlich entkräften
- Kritik ernstnehmen und gegebenenfalls weiteren Austausch in anderem Rahmen anbieten
- Nachfragen stellen, um die andere Person zu verstehen, anstatt nur die eigene Position zu erläutern
- Grenzen der Kommunikation zeigen, kommunizieren und durchsetzen (zum Beispiel Hausrecht, rechtliche Schritte und weitere)
Wenden Sie Ihr Wissen an!
Im Folgenden lesen Sie eine fiktive Worst-Case-Situation. Wählen Sie anschließend aus verschiedenen Antwortmöglichkeiten eine passende Reaktion aus. Die Antworten sollen verschiedene mögliche Entwicklungspfade einer problematischen Situation simulieren und Sie für die jeweiligen Auswirkungen konkreter Handlungsoptionen sensibilisieren.
Worst-Case-Szenario 1: Informationsveranstaltung zum Abschluss der KWP
Sie haben es geschafft: Nach Abschluss der Kommunalen Wärmeplanung liegt Ihnen nun der Wärmeplan Ihrer Kommune vor. Auf einer Informationsveranstaltung präsentieren Sie Ihren Bürgerinnen und Bürgern die wesentlichen Ergebnisse. Als Sie die Karte mit den Gebietsausweisungen präsentieren, hören Sie ein Raunen aus dem Publikum. In einer hinteren Ecke im Saal entdecken Sie einen älteren Herrn, der mit verschränkten Armen kopfschüttelnd auf Ihre Karte schaut. Gerade in den Randgebieten Ihrer Gemeinde, wo sich viele Einfamilienhäuser befinden, kennzeichnen große farbige Flächen die Gebiete für die dezentrale Versorgung . Als Sie auf diese Gebiete zu sprechen kommen, hören Sie einen lauten Ausruf: „Warum braucht es eine Kommunale Wärmeplanung, wenn ich mich im dezentralen Gebiet in meinem Einfamilienhaus trotzdem um eine eigene Heizungslösung kümmern muss?“
Exkurs zu rechtsextremen Störungen
Gerade im Bereich der Energie- und Wärmewende kann es zu ideologisch motivierten, rechtsextremistischen Störungen und Angriffen kommen. Auch hier gelten im Grunde die oben beschriebenen Regeln. Allerdings stehen Ihnen für den Umgang mit solchen Fällen auch noch weitere Ressourcen und Anlaufstellen zur Verfügung. Die Amadeu Antonio Stiftung bietet mit dem Kompetenzzentrum Rechtsextremismus und Demokratieschutz ein Projekt, das neben wichtigen Informationen auch organisatorische Hilfe bei den Themen „Sicherheit und Bedrohungsmanagement“ anbietet.

Störungen im digitalen Raum
Der digitale Raum und insbesondere die sozialen Medien stellen eine enorme Chance, aber auch eine Herausforderung für die Öffentlichkeitskommunikation dar. Zu diesen Risiken gehören Störungen in Form von negativen oder gar bewusst verletzenden oder diffamierenden Kommentaren, verbale Attacken via E-Mail oder gar Straftaten wie Betrug, Stalking oder Bedrohung. Insbesondere kommunalpolitische Akteurinnen und Akteure sehen sich im Internet zunehmend solchen Angriffen ausgesetzt (vgl. Fehringer 2021). Nachfolgend finden Sie eine Checkliste mit geeigneten präventiven und situativen Maßnahmen, um diese Risiken zu minimieren und im Ernstfall souverän zu reagieren.

Checkliste zum Umgang mit Störungen in der digitalen Kommunikation
Präventive Maßnahmen
So gestalten Sie Ihre digitale Kommunikation, um das Risiko für Störungen zu minimieren:
- frühzeitige und kontinuierliche Öffentlichkeits- und Akzeptanzkommunikation: Wie im analogen Raum gilt auch hier die effektive, frühzeitige und kontinuierliche Öffentlichkeits- und Akzeptanzkommunikation als bestes Mittel zur Prävention. Je besser Sie kommunizieren, desto weniger Konflikte stauen sich auf. (Vgl. Wald 2025, Barth und Kiefl 2023: S. 3) Mehr Informationen zu gelungener Akzeptanzkommunikation im Rahmen der Kommunalen Wärmewende finden Sie in unseren anderen Kommunikationshilfen.
- Community Management betreiben: Um eine aktive, sichere und konstruktive Kommentarkultur aufrechtzuerhalten, ist es wichtig, ein aktives Community Management zu betreiben. Dazu gehört das Sichten, Beantworten und gegebenenfalls auch Löschen von Kommentaren. Wichtige Hinweise, wie Sie Community Management adäquat betreiben können, bietet die Webseite Swat.io.
- Nettiquette vorbereiten: Sie unterstützen Ihr Community Management maßgeblich, wenn Sie vorher bestimmte Verhaltensregeln und -normen für ihre Social-Media-Profile/-Seiten aufstellen und diese auch transparent kommunizieren. Eine sogenannte Netiquette kann dazu beitragen, eine Kultur von digitaler Zivilcourage zu kultivieren, die ihre Social-Media-Auftritte nachhaltig stärkt. Mehr Informationen dazu bieten HateAid sowie die Amadeu Antonio Stiftung.
- Notfallplanung vorbereiten: Klären Sie bereits im Vorhinein, wer bei einem Ernstfall wie einem Shitstorm oder einer anderen digitalen Attacke auf welche Weise reagieren sollte. Legen Sie klare Zuständigkeiten fest. Bereiten Sie verschiedene Szenarien und mögliche Lösungsstrategien vor. Klären Sie auch ab, welche möglichen Hilfestellen zur Verfügung stehen oder mit welchen anderen Akteurinnen und Akteuren Sie sich im Zweifel verbünden können. (Vgl. Amadeu Antonio Stiftung 2026: S. 57)
- Vorlagen erstellen: Zu bekannten Themen oder häufig geäußerter Kritik können Sie Textbausteine für entsprechende Antworten vorbereiten, die Sie zur individuellen Beantwortung verwenden können.
- rechtliche Informationen einholen: Wie im analogen Raum kann es auch im digitalen Raum zu (straf-)rechtlich relevanten Äußerungen und Aktivitäten kommen. Es empfiehlt sich, entsprechende Grundkenntnisse zur Einordnung verschiedener Arten von potenziell (straf-)rechtlich relevanten Äußerungen und Aktivitäten aufzubauen. Die Amadeu Antonio Stiftung listet in einem Flowchart zur digitalen Kommunikation Meldestellen, die bei Unklarheiten hinsichtlich der Einordnung unterstützen können. Die eigenen Rechte zu kennen ist wichtig, denn: „Rechtliche Schritte sind auch eine Botschaft. Sie zeigen, dass Einschüchterung nicht hingenommen wird und dass demokratisches Engagement sich auf geltendes Recht stützt.“ (Amadeu Antonio Stiftung 2026: S. 63)
Situative Maßnahmen
So reagieren Sie im digitalen Raum angemessen und souverän auf verschiedenartige Störungen:
- Ruhe bewahren und Situation bewerten: Im Ernstfall sollten Sie auch hier einen kühlen Kopf bewahren und die Aufklärung des Problems zwar zügig, aber nicht überstürzt angehen. Greifen Sie gegebenenfalls auf Ihre Notfallplanung zurück, um den konkreten Fall einzuordnen. Um was für eine Art von Störung handelt es sich? Was ist die zugrunde liegende Intention? Basierend auf diesen Informationen sollten Sie geeignete Gegenmaßnahmen einleiten.
- Beiträge löschen oder unsichtbar stellen: Je nach Plattform steht Ihnen neben der Löschen-Funktion womöglich auch eine Ausblend-Funktion zur Verfügung, um problematische Kommentare zu entfernen. Der Vorteil dabei ist, dass Nutzende, die solche Kommentare erstellt haben, dann mitunter nicht von der Entfernung ihres Beitrages erfahren und nicht zu weiteren Kommentaren angestachelt werden. Das Entfernen von Beiträgen sollte jedoch immer nur die letzte Wahl bei der Reaktion auf Kommentare sein. (Vgl. Swat.io 2025) Welche Möglichkeiten Ihnen konkret zur Verfügung stehen, hängt von der jeweiligen Plattform ab.
- rechtliche Werkzeuge einsetzen: Bewerten Sie die rechtliche Bedenklichkeit von fragwürdigen Beiträgen oder Kommentaren. Nicht jede Äußerung und Handlung, die im Internet getätigt wird, bewegt sich im Rahmen des Gesetzes. Rechtswidrige Kommentare und Beiträge können zur Anzeige gebracht werden. Wenden Sie sich im Zweifelsfall an entsprechende Stellen, um die rechtliche Beurteilung von einzelnen Kommentaren und Beiträgen zu klären. (Vgl. Amadeu Antonio Stiftung 2026: S. 39 – 41)
- Kommunikationsbündnisse nutzen: Manchen Angriffen begegnet man besser im Team als allein. Insbesondere bei orchestrierten digitalen Kampagnen von alternativen Medien, Internetaktivistinnen und -aktivisten oder sonstigen koordinierten Angriffen. Hier kann es helfen, sich mit bekannten Medienplattformen, Journalistinnen und Journalisten, anderen potenziell Betroffenen oder schlicht mit anderweitig verbündeten Akteurinnen und Akteuren – etwa aus Ihrem Kommunikationsbündnis, das Sie im besten Fall geschmiedet haben –, zusammenzuschließen. (Vgl. Amadeu Antonio Stiftung 2026: S. 62 – 63)
Kommunikationsbündnis
Das Kommunikationsbündnis bringt verschiedene relevante Akteurinnen und Akteure der Gemeinde in einem kommunikativen Zusammenschluss zusammen, um gemeinsam zur Wärmewende zu informieren und für diesen Transformationsprozess zu begeistern. Mehr zu diesem Thema erfahren Sie in unserer Kommunikationshilfe zum zielgruppengerechten Kommunizieren.

Hinter negativen Kommentaren stehen unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Zielen. Um angemessen auf solche Kommentare reagieren zu können, müssen Sie sich mit den jeweiligen Intentionen im Einzelfall beschäftigen (vgl. Breyer-Mayländer und Falk 2021: S. 168). Die nachfolgende Tabelle basiert auf den Überlegungen zu einer Typologie verschiedener möglicher Kommentartypen von Breyer-Mayländer und Falk, die gleichwohl keinen wissenschaftlichen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie soll lediglich eine Unterstützung bei der Einordnung störender Online-Beiträge bieten. Zur nachfolgenden Typologie und den Handlungsempfehlungen siehe Breyer-Mayländer und Falk 2021: S. 167 – 172.
| Typ | Identifikation | Handlungsempfehlungen |
| „Alles-Kritiker“ | Sie kommentieren auf verschiedenen Plattformen zu allen möglichen Themen, weisen in der Regel eine sehr hohe Anzahl von Postings auf und kommentieren, um ein persönliches Ideal von politischer Beteiligung auszuleben. | Es ist ratsam, diesen Akteurinnen und Akteuren keine gesonderte Aufmerksamkeit zu schenken, weil so nur weitere Kommentare provoziert werden. |
| „thematische[] Hassprediger“ | Hierbei handelt es sich um Menschen, die hinsichtlich eines oder mehrerer ganz bestimmter Themen überaus emotional und kritisch kommentieren, wobei mitunter auch eine Tendenz zu persönlichen Angriffen auf Beteiligte am entsprechenden Themenkomplex besteht. | Je nach Einzelfall kann es sinnvoll sein, durch „prebunking“-Strategien inhaltliche Argumente schon im Vorhinein zu adressieren. Eine ernsthafte, konstruktive inhaltliche Auseinandersetzung ist aber oft nicht möglich, weil das Emotionale klar überwiegt. |
| „persönliche[] Hassprediger“ | Hier richtet sich die emotionale Frustration nicht gegen Themen oder Projekte, sondern gegen einzelne Personen wie etwa Bürgermeisterinnen und Bürgermeister. Entsprechende Nutzende reagieren dabei auf Beiträge, die Abbildungen oder Erwähnungen der Person enthalten. Das ist besonders im kommunalpolitischen Bereich verbreitet. | Sofern Ihnen bekannt ist, dass spezifische Personen solche Reaktionen auslösen, sollten Sie erwägen, die Kommentarbereiche entsprechender Beiträge zu schließen bzw. schließen zu lassen. |
| „Aktivisten“ | Diese Personen kommen in der Regel aus Organisationen bzw. Akteursgruppen, die sich inhaltlich mit dem entsprechenden Themenfeld beschäftigen. Sie tragen vorwiegend zur sachlichen Debatte bei, können aber mitunter auch dazu neigen, die eigene Position populistisch zum Interesse einer imaginierten Allgemeinheit zu erklären. | Diesen Kommentaren können Sie vorwiegend auf der inhaltlichen Ebene begegnen und valide Kritikpunkte in Ihre Arbeit aufnehmen. Bei populistischen Verzerrungen weisen Sie am besten auf die Diversität der öffentlichen Meinungen hin. |
| „freie[] Radikale“ | Hierbei handelt es sich um eine Sonderform von aktivistischen Personen, die sich aus der Kommunikationsarbeit ihrer Organisation oder Gruppe ausklinken, um radikalere und von einer offiziellen Gruppe nicht vertretbare, überspitzte Positionen zu vertreten. | Hier reagieren Sie am besten, indem Sie eine Distanzierung von der Ursprungsgruppe herausfordern und sich nicht individuell auf einen radikaleren Diskurs einlassen. |
Hinweis: Häufig legen sich einzelne Personen auf Social-Media-Kanälen mehrere Profile anlegen, um ihre eigenen negativen Kommentare zu verstärken oder etwaige Blockierungen potenziell zu umgehen (vgl. Breyer-Mayländer und Falk 2021: S. 173 – 174). Auch hieran wird deutlich, wie wichtig ein kontinuierliches Community-Management wirklich ist.
Wenden Sie Ihr Wissen an!
Das nachfolgende fiktive Worst-Case-Szenario lädt Sie ein, verschiedene Reaktionen durchzuspielen. Die Antwortmöglichkeiten sensibilisieren dabei für die Konsequenzen unterschiedlicher Problemlösungsstrategien im Einzelfall.
Worst-Case-Szenario 2: Social Media
Schon seit Wochen posten Sie fleißig über die Kommunale Wärmeplanung (KWP). Mal schreiben Sie über die geplanten Gebietsausweisungen von Versorgungsgebieten. Ein anderes Mal laden Sie zu einer Informationsveranstaltung ein, auf der Sie die Grundlagen der KWP erläutern werden. Neben diesen organisatorischen Posts teilen Sie aber auch private Postings von Personen, die bereits eine Wärmepumpe in ihrem Gebäude installiert haben und nun ihre Erfahrungen öffentlich teilen. Unter einem Ihrer Beiträge steht der folgende Kommentar: „Sie sorgen mit Ihren Wärmepumpen für unbezahlbare Kosten! Wie sollen ich mir das noch leisten können?!“

Weiterführende Informationen
- Amadeu Antonio Stiftung: Anleitungen zu einer strategischen Notfallkommunikation während gezielter Kampagnen (vgl. 2026: S. 42 – 44)
- Leitfaden zum Community-Management von Swat.io
- Leitfaden zur Digitalen Zivilcourage von HateAid
- Entscheidungshilfe „Ausschalten oder aushalten?“ von der Amadeu Antonio Stiftung
- Internet Beschwerdestelle
Quellen
Amadeu Antonio Stiftung (2026): Leitfaden. Wie können gemeinwohlorientierte Organisationen besser auf Angriffe reagieren? Berlin. Online verfügbar unter: https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/publikationen/feindliche-angriffe-auf-gemeinwohlorientierte-organisationen/, Zugriff am: 05.08.2026.
Barth, Gernoth und Sophia Kiefl (2023): Öffentlichkeitsbeteiligung als Werkzeug der Energiewende. Praxisguide für erfolgreiche Öffentlichkeitsbeteiligung Stromnetzausbau. Leipzig. Online verfügbar unter: https://www.steinbeis-mediation.com/buergerbeteiligung-2/praxisguide, Zugriff am: 10.06.2026.
Breyer-Mayländer, Thomas und Christian Falk (2021): Social Media und digitale Kommentare als Herausforderung für kommunale Gremien. In: Breyer-Mayländer, Thomas und Christopher Zerres (Hrsg.): Social Media im kommunalen Sektor. Einsatzfelder, Herausforderungen, Entwicklungsperspektiven. Wiesbaden. S. 155 - 181. Online verfügbar unter: https://doi.org/10.1007/978-3-658-32820-7, Zugriff am: 16.09.2025.
Fehringer, Dominik (2021): Social Media in der öffentlichen Verwaltung. In: Breyer-Mayländer, Thomas und Christopher Zerres (Hrsg.): Social Media im kommunalen Sektor. Einsatzfelder, Herausforderungen, Entwicklungsperspektiven. Wiesbaden. S. 139 - 153. Online verfügbar unter: https://doi.org/10.1007/978-3-658-32820-7, Zugriff am: 16.09.2025.
Metz, Victoria: Wie geht gute Akzeptanzkommunikation bei der Wärmewende? Über den kommunikativen Umgang mit Widerständen und Kritik bei Infrastrukturvorhaben. 26.06.2025. https://www.kww-halle.de/angebote/infothek/detail/fragen-arena-wie-erzaehlen-wir-die-richtigen-geschichten-zur-waermewende, Zugriff am: 05.08.2026.
Sächsische Landeszentrale für politische Bildung (2018): Kommune im Dialog. Ein Leitfaden zur Organisation und Moderation von kontroversen Bürgerversammlungen. Dresden. Online verfügbar unter: https://www.slpb.de/fileadmin/media/Veranstaltungen/Auf_Anfrage/Kommune_im_Dialog/Moderationsleitfaden.pdf, Zugriff am: 05.08.2026.
Schlumberger, Anni und Hannes Schuster: Was tun, wenn es knallt? Wie wir zu konstruktiveren Beteiligungsformaten zurückfinden. In: eNewsletter Netzwerk Bürgerbeteiligung, 04/2024, S. 1 – 3. Online verfügbar unter: https://www.netzwerk-demokratie-und-beteiligung.de/fileadmin/Inhalte/PDF-Dokumente/newsletter_beitraege/4_2024/nbb_beitrag_schlumberger_schuster_241212.pdf, Zugriff am: 05.08.2026.
Swat.io: Community Moderation: So gehst du mit negativen Kommentaren auf Social Media um. 14.01.2025. https://swat.io/de/interaktion/community-moderation/, Zugriff am: 05.08.2026.
Universität Passau: Prävention von und Verhalten bei Störfällen in Veranstaltungen. O. D. https://www.uni-passau.de/diversity-gleichstellung/diskriminierung-sexuelle-belaestigung-stalking-mobbing/umgang-mit-vorfaellen-in-veranstaltungen, Zugriff am: 05.08.2026.
Wald, Mareike: Widerstand bei Windenergie: Störer*innen erkennen und souverän reagieren. 08.05.2026. https://www.lots.de/blog/stoerinnen-windenergie-erkennen, Zugriff am: 03.06.2026.
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