StartseiteKWP-ProzessVorbereitungInterkommunale Wärmeplanung

Interkommunale Wärmeplanung (Konvoi)

Die interkommunale Wärmeplanung – auch als Wärmeplanung im Konvoi bezeichnet – beschreibt die koordinierte Zusammenarbeit mehrerer Kommunen über ihre eigenen Gemeindegrenzen hinweg, um gemeinsam an der Wärmeplanung zu arbeiten. Auf dieser Seite finden Sie die Vor- und Nachteile von Konvoi-Lösungen sowie verschiedene Konvoi-Arten und Praxisbeispiele.  

© Shutterstock/Amazing Aerial Premium

Welche Vorgaben macht das Wärmep­lanungs­gesetz zur inter­kommu­nalen Wärmeplanung?

Rechtlich ist die interkommunale Wärmeplanung (IWP) in § 4 Abs. 3 des Wärmeplanungsgesetzes (WPG) geregelt. Dort heißt es: „Die Länder können vorsehen, dass für mehrere Gemeindegebiete eine gemeinsame Wärmeplanung erfolgen kann.“ Welche Bestimmungen für die interkommunale KWP gelten, hängt somit vom jeweiligen Bundesland ab.  Wir empfehlen daher, sich über die eigenen spezifischen landesrechtlichen Regelungen zu informieren. 

Welche Vorteile bietet die interkommunale Wärmeplanung?

Der Sinn und Zweck der interkommunalen Wärmeplanung ist, das Potenzial nachhaltiger und zukunftsfähiger Wärmequellen optimal zu nutzen. Durch die Zusammenarbeit zweier oder mehr Kommunen sollen Synergieeffekte in der Wärmeversorgung erzielt werden. Beispielsweise verfügen einige Gemeinden über mehr erneuerbare Energiequellen oder industrielle Abwärme, als sie selbst benötigen, während es anderen an solchen Ressourcen mangelt. 

Auch hinsichtlich der Personalverfügbarkeit gilt Ähnliches: Ein Konvoi kann personelle Engpässe in einzelnen Gemeinden abfedern und Synergieeffekte erzeugen. Aufgaben wie die Antragstellung oder die Vergabe der Kommunalen Wärmeplanung können auf mehrere Schultern verteilt werden (vgl. LEA Hessen o. D.: 3f.). Durch die Spezialisierung der Beteiligten, etwa auf Finanzierung und Fördermittel einerseits sowie auf Technologien und Wärmequellen andererseits, entsteht eine effiziente und zielgerichtete Aufgabenverteilung.

Darüber hinaus erhöht die Zusammenarbeit im Konvoi die Attraktivität gegenüber Dienstleistenden. Eine gebündelte Nachfrage und der Wunsch nach gemeindeübergreifenden Wärmelösungen erweitern die denkbaren Maßnahmen der zukünftigen Wärmeversorgung und stärken damit die Handlungsmöglichkeiten der Kommune und der Dienstleistenden im KWP-Prozess (vgl. LEA Hessen o. D.: 5). Zudem entstehen Zeitersparnisse für die eingebundenen Fachakteure im KWP-Prozess. Veranstaltungen zur Beteiligung der Fachakteure können zentral für den ganzen Konvoi organisiert und abgehalten werden und müssen nicht in jeder einzelnen Kommune durchgeführt werden (vgl. ebd. o. D.: 5).

Kurz gesagt: Ein ganzheitlicher Blick auf die Region ermöglicht es, trotz begrenzter einzelner Kapazitäten und Potenziale eine effiziente Wärmeplanung zu gewährleisten und stellt damit regionale statt isolierte lokale Lösungen in den Mittelpunkt.

Welche Heraus­forderungen birgt die inter­kommunale Wärme­planung?

Trotz dieser Vorteile bringt die Planung im Konvoi auch Herausforderungen mit sich. Eine zentrale Schwierigkeit liegt im Projektmanagement selbst, nämlich im erhöhten Abstimmungsbedarf zwischen den Kommunen. Damit ein Konvoi erfolgreich funktioniert, ist eine reibungslose Koordination der einzelnen Arbeitsschritte mit dem Dienstleistenden sowie zwischen den Gemeinden und ihren eigenen Ämtern entscheidend. Funktioniert die Abstimmung nicht problemlos, können Verzögerungen in einer Kommune die Arbeitsgeschwindigkeit des gesamten Konvois beeinträchtigen.

Eine unzureichende Koordination kann auch dazu führen, dass die einzelnen Konvoi-Mitglieder nicht gleichmäßig in den Prozess eingebunden werden. Am Ende des Konvoi-Verfahrens erhält jede Kommune ihren eigenen Wärmeplan. Wird die Einbindung jedoch unterschiedlich intensiv umgesetzt, kann dies zu Qualitätsunterschieden in den einzelnen Wärmeplänen führen.

Wäre eine interkommunale Wärmeplaung für Ihre Kommune geeignet?

Begünstigende Faktoren

Eine interkommunale Wärmeplanung kann bei bestimmten geografischen Bedingungen sinnvoll sein. Grundsätzlich bieten benachbarte Gemeinden günstige Voraussetzungen für eine gemeinsame Wärmeplanung. Besonders geeignet erscheinen dabei Konstellationen, in denen eine Stadt mit angrenzenden Gemeinden kooperiert oder Großstädte gemeinsam mit ihrem Umland planen. 

Darüber hinaus kommt ein Konvoi auch dann als geeignetes Verfahren in Betracht, wenn strukturelle Voraussetzungen gegeben sind, die eine gemeinsame Vorgehensweise begünstigen. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn bereits gemeinsame Energieversorgungsunternehmen oder Netzbetreiber bestehen oder positive Erfahrungen aus früheren Kooperationen – außerhalb der kommunalen Wärmeplanung – vorhanden sind. Zusätzlich kann es vorteilhaft sein, finanzielle und personelle Ressourcen gemeinsam zu nutzen oder wenn bereits im Vorfeld übergreifende Wärmepotenziale absehbar sind. Dies betrifft insbesondere größere Potenziale, wie sie etwa bei Geothermie-Standorten oder industriellen Abwärmequellen entstehen können. 

Das Fehlen einzelner oder mehrerer dieser Voraussetzungen spricht nicht automatisch gegen eine interkommunale Wärmeplanung. Ob ein Konvoi zustande kommt, hängt immer vom Willen der beteiligten Kommunen ab. 

Welche Arten von Konvois gibt es? – Praxisbeispiele

Konvois können sehr unterschiedliche organisatorische und strukturelle Ausprägungen aufweisen. Dies zeigt sich insbesondere in der strukturellen Gleichheit oder Ungleichheit der beteiligten Kommunen oder im Projektmanagement. Nachfolgend werden diese anhand dreier Fallbeispiele illustriert.

Was muss ich bei der Kommunalen Wärmeplanung im Konvoi beachten?

Um eine interkommunale Wärmeplanung erfolgreich durchzuführen, kommt dem Projekt- und Prozessmanagement eine entscheidende Rolle zu. In diesem Zusammenhang müssen bestimmte Aspekte besonders beachtet werden.

© dena/KWW
© LEA Hessen/endura
© ifeu/Ortner et al.

Interkommunale Wärmeplanung in den KWW-Webseminaren

Interkommunale Wärmeplanung: Stadt – Umland – Ländlicher Raum

Welche Vorteile, Herausforderungen und Synergien bietet die interkommunale Wärmeplanung? Der KWW-Praxisblick von der Großen KWW-Konferenz 2024 bietet dazu wichtige Impulse und zwei konkrete Beispiele.

Die Rolle der Landkreise in der Kommunalen Wärmeplanung

Die meisten der fast 11.000 Gemeinden in Deutschland gehören aufgrund ihrer Größe einem der 294 bestehenden Landkreise an. Diese übernehmen einen Teil der Verwaltungsaufgaben der kreisangehörigen Gemeinden. Dass bis spätestens Mitte 2028 alle Kommunen in Deutschland einen Kommunalen Wärmeplan erstellen müssen, ist insbesondere für kleinere Gemeinden eine enorme Herausforderung.

Kommuneninterne Steuerung der Kommunalen Wärmeplanung

Wie können Kommunen zusammenarbeiten und Ressourcen bündeln? Und welche Prozesse können in der Kommunalen Wärmeplanung (KWP) parallel laufen? Diese und weitere Fragen haben drei verschiedene Kommunen in unserem KWW-Spezial beantwortet.

KWW-Praxisblick: Landkreis Lörrach

Der Landkreis Lörrach hat die kommunale Wärmeplanung im gemeindeübergreifenden Konvoi umgesetzt und gibt einen pluralistischen Einblick in seine Herangehensweise.

Quellen

Top 10 zur Vorbereitung der KWP

mehr erfahren
© GettyImages/Morsa Images