
Akzeptanzkommunikation
Bürgerinnen und Bürger sind dankbar für relevante Informationen
Eine kontinuierliche Information und transparente Kommunikation zahlt sich in der Kommunalen Wärmeplanung aus. Paula Pour, Klimaschutzmanagerin in Plauen, teilt im Interview ihre Erfahrungen aus der Praxis.
Akzeptanzkommunikation
Bürgerinnen und Bürger sind dankbar für relevante Informationen
Eine kontinuierliche Information und transparente Kommunikation zahlt sich in der Kommunalen Wärmeplanung aus. Paula Pour, Klimaschutzmanagerin in Plauen, teilt im Interview ihre Erfahrungen aus der Praxis.

Paula Pour ist seit 2021 Energie- und Klimaschutzmanagerin in der Stadt Plauen im sächsischen Vogtland. Vor Ort ist sie für die Umsetzung und Fortschreibung des Integrierten Energie- und Klimaschutzkonzepts verantwortlich. Neben der Wärmeplanung organisiert sie unter anderem den Ausbau von E-Ladeinfrastruktur und Radwegen im Stadtgebiet und koordiniert den Ausbau von Photovoltaikanlagen auf kommunalen Gebäuden. Im Interview berichtet sie von ihren Erfahrungen zur Kommunikation der Kommunalen Wärmeplanung vor Ort.
Nicht alle Fragen können Kommunen alleine beantworten – sie wissen aber, welche Ansprechpersonen den Bürgerinnen und Bürgern weiterhelfen können.
Unter welchen Rahmenbedingungen sind Sie vor Ort in die Kommunale Wärmeplanung gestartet?
In der Stadtverwaltung befassen wir uns bereits seit vielen Jahren mit Energie- und Klimaschutzthemen. Der konkrete Anlass für die Erstellung der Kommunalen Wärmeplanung war für uns vor allem die Fördermöglichkeit über die Kommunalrichtlinie. Nun hat Plauen – wie viele kleinere und mittlere Städte – eher eine alternde Stadtgesellschaft, die in vielen Lebensbereichen doch recht konservativ eingestellt ist. Das kann eine Herausforderung für Veränderungsprozesse wie die Wärmewende sein. Unsere Verwaltung ist allerdings sehr engagiert und hat sich zum Ziel gesetzt, diesen Wandel aktiv zu gestalten: Von Beginn an war es uns wichtig, die Bevölkerung gut über die Kommunale Wärmeplanung und ihre Bedeutung zu informieren.
Steckbrief: Stadt Plauen
Die Stadt Plauen im Vogtlandkreis in Sachsen zählt rund 65.000 Einwohnende und ist damit die fünftgrößte Stadt des Freistaats. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Wärmeversorgung vor Ort beträgt knapp 7 Prozent, wobei vor allem Biomasse und Holz genutzt werden. Über 60 Prozent der Wärme stammen noch aus Erdgas, weitere 15 Prozent werden über ein Fernwärmenetz bereitgestellt. Die Kommunale Wärmeplanung wurde zu 100 Prozent über die Kommunalrichtlinie gefördert und im Oktober 2025 fertiggestellt. Unterstützt wurde die Kommune von zwei externen Dienstleistungsunternehmen, unter anderem bei der Kommunikation und insbesondere bei der Organisation der Präsenzveranstaltungen für Bürgerinnen und Bürger.
Über welche Kanäle haben Sie die Bürgerschaft informiert?
Wir haben unsere Pressestelle mit allen wichtigen Informationen zur Kommunalen Wärmeplanung (KWP) versorgt – diese hat unsere Inhalte zur KWP dann über die verschiedenen Medien und Kanäle verteilt. Es wurden Pressegespräche geführt und Pressemitteilungen versendet, um das Thema in die Lokalpresse oder das Radio zu bringen. Im Vogtland TV, einem regionalen YouTube-Format, konnten wir ebenfalls von der KWP berichten. Auf der städtischen Webseite wurden FAQs zur Wärmeplanung eingestellt. Wir haben aber auch unsere städtischen Social-Media-Kanäle mit Content zur Wärmeplanung bespielt. Alle Veröffentlichungen haben uns dabei geholfen, den Prozess für die Bürgerschaft transparent zu gestalten und über die jeweiligen Kanäle verschiedene Zielgruppen zu erreichen.
Plauen erstellt Plan für zukunftsfähige Wärmeversorgung | V.TV
Zur Kommunikation hat die Stadt Plauen verschiedene Kanäle genutzt, um möglichst viele Bürgerinnen und Bürger zu erreichen. Neben der eigenen Webseite und der Presse nutzte die Stadt auch Social Media und kommunizierte über freie Medien, etwa das regionale Youtube-Format V.TV.
Haben Sie auch zu Informationsveranstaltungen eingeladen?
Informationsveranstaltungen haben wir jeweils zu Beginn und zum Ende der Kommunalen Wärmeplanung durchgeführt. Insgesamt waren über 160 Personen vor Ort – insbesondere Eigenheimbesitzerinnen und -besitzer. Bei beiden Veranstaltungen haben wir zunächst die Grundlagen erläutert und anschließend erklärt, was die Wärmeplanung ist und warum wir diesen strategischen Prozess brauchen.
Wie haben Sie sich auf mögliche Fragen vorbereitet?
Wir haben uns bewusst gegen eine offene Frage- und Diskussionsrunde auf den Informationsveranstaltungen entschieden. Stattdessen konnten die Teilnehmenden bei der Anmeldung zur Veranstaltung über unser Beteiligungsportal ihre Fragen bereits vorab einreichen. Alle Fragen wurden gesammelt und konnten im Vortrag der Informationsveranstaltung gezielt beantwortet werden. Für weitere Fragen waren im Anschluss an den Vortrag verschiedene Akteurinnen und Akteure aus der Region an insgesamt fünf Thementischen ansprechbar. Dort waren die städtischen Energieversorger ebenso vertreten wie die Verbraucherzentrale mit ihrer Energieberatung und die Stadtverwaltung mit den Planungsbüros, die die Kommunale Wärmeplanung direkt verantworten.
An welchen Informationen waren die Menschen besonders interessiert?
Gestellt wurden viele individuelle Fragen zur persönlichen Betroffenheit. „Ich wohne in Straße XY. Werde ich mein Haus an das Fernwärmenetz anschließen können?“ – das können wir natürlich nicht frontal in einem Präsenzvortrag beantworten. Deswegen war zum Beispiel unser Fernwärmenetzbetreiber mit einem eigenen Thementisch vor Ort. Da viele Bürgerinnen und Bürger außerdem nach einer Energieberatung gefragt haben, haben wir auch die Verbraucherzentrale mit ins Boot geholt.
Die meisten Teilnehmenden der Informationsveranstaltungen waren Eigenheimbesitzerinnen und -besitzer, die wissen wollten, wie sie mit ihrer eigenen Heizungsanlage in Zukunft umgehen sollen.

Ist Ihnen ein Kommunikationsmoment besonders in Erinnerung geblieben?
Nach der zweiten Informationsveranstaltung stand ich neben den Karten mit der Gebietseinteilung und unterhielt mich mit einem Ehepaar. Sie suchten interessiert ihr Wohnhaus auf der Karte und stellten fest, dass sie am Rande eines Potenzialgebiets für Fernwärme liege. Das wurde positiv aufgenommen und etwas belustigt stellten sie fest: Bis 2045 sei noch so viel Zeit, dass sich mit dem nächsten Heizungstausch vermutlich erst ihre Kinder befassen werden. Man bedankte sich für die informative Veranstaltung und ich hatte das Gefühl, es war nun Interesse am Thema geweckt – und vielleicht wird der nächste Heizungstausch doch nicht erst die Kinder beschäftigen.
Was würden Sie anderen Kommunen empfehlen?
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es sich lohnt, die Menschen kontinuierlich zu informieren und den Prozess der Wärmeplanung von Beginn an transparent zu machen. Die Bürgerinnen und Bürger sind in der Regel dankbar für Informationen; insbesondere, welche Auswirkungen die Wärmeplanung konkret auf sie hat. Damit das funktioniert, ist es hilfreich, die eigene Zielgruppe mit ihren Standpunkten und Fragen zu kennen. Denn es bringt nichts, einfach alles zu erzählen, was man über die Kommunale Wärmeplanung weiß – bei uns wollten die Menschen vor allem wissen, was künftig mit ihrer eigenen Heizung passiert. Nicht alle Fragen können Kommunen alleine beantworten – sie wissen aber, welche Ansprechpersonen weiterhelfen können. Fokus der Kommune sollte es sein zu kommunizieren, zu motivieren, zu koordinieren und die richtigen Partner zusammenzubringen, um die Wärmeplanung zu schaffen. Nur dann dient sie als gemeinsame Grundlage für alle, die daran beteiligt sind.
Worauf wird es bei der Umsetzung der Wärmeplanung ankommen?
Die Umsetzung ist eine ganz andere Herausforderung als die Erstellung der Wärmeplanung. Während für die Erstellung eindeutig die Kommune zuständig ist, liegt die Umsetzung auf vielen Schultern. Energieversorger, Netzbetreiber, aber auch Gebäudeeigentümer sind hier gefragt, Investitionsentscheidungen für die Zukunft zu treffen und damit zum Gelingen der Wärmewende beizutragen. Die Kommune kann mit ihren eigenen Liegenschaften als Vorbild vorangehen und Akteure in der Stadt unterstützen – doch sie kann nicht im Alleingang die Wärmewende stemmen. Hierbei ist die Kommunikation eine zentrale Aufgabe der Kommune: beispielsweise beim Aufzeigen von Fördermöglichkeiten, Vernetzen von Partnern oder bei der Information über Best-Practice-Projekte.
Stand: Oktober 2026
Mehr zur Kommunikation der Wärmewende
Wie erzählen wir die richtigen Geschichten zur Wärmewende? Diese Frage diskutierte Paula Pour gemeinsam mit zwei weiteren Gästen als Referierende auch in der KWW-Fragenarena auf der Großen KWW-Konferenz 2025. Die Aufzeichnung der Veranstaltung sowie alle Präsentationen finden Sie in unserer Infothek.

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