Wärmewende überzeugend erzählen
Viele Argumente sprechen für die Wärmewende. Richtige, faktenbasierte Argumente genügen jedoch häufig nicht, um die Akzeptanz der Wärmewende abzusichern. Wie Sie die richtigen Argumente in effektive, wertebasierte Geschichten verwandeln, erfahren Sie auf dieser Seite.

Die Wärmewende bietet viele Vorteile. Fakt ist, dass die Umstellung auf erneuerbare Energieerzeuger dazu beiträgt, die Energieversorgung langfristig sicherer und unabhängiger zu gestalten. Genauso ist es richtig, dass die Wärmewende ein entscheidender Hebel zur Erreichung der deutschen und europäischen Klimaziele ist. Umfragen zeigen zudem eine deutliche, mehrheitliche Befürwortung der Energiewende in der Gesellschaft (vgl. AEE 2024, 2025). Diese Fakten können als Argumente für die Energiewende dienen. Trotzdem nehmen viele Menschen Maßnahmen der Energiewende als unbeliebter wahr, als sie tatsächlich sind (vgl. Wolf, Ebersbach und Huttarsch 2023: S. 2, 16 – 17; Heyen und Schmitt 2024: S. 16). Die Fakten und darauf basierende Argumente passen also nicht immer zu unseren Geschichten. Und gleichwohl sind es diese Geschichten, die einen maßgeblichen Einfluss auf unsere Wahrnehmung von uns selbst, der Welt und unserem Handeln haben (vgl. Grünwald et al. 2024: S. 24; Wolff et al. 2019: S. 43).
Mit Hilfe von Storytelling verwandeln Sie die richtigen, faktenbasieren Argumente in Geschichten, die überzeugen.
Es gibt viele Argumente für die Wärmewende
Die verschiedenen Vorteile der Wärmewende können als Argumente herangezogen werden, um von der Wärmewende zu überzeugen. Zusammenhängende Argumente können als Narrative verstanden werden. Nachfolgend stellen wir eine aus der unteren Grafik abgeleitete Liste von Narrativen vor:

Wirtschaftlichkeitsnarrative zielen auf die Stärkung des Wirtschaftsstandorts ab – etwa durch Investitionen in Zukunftstechnologien, die Etablierung auf dem Technologiemarkt, die Schaffung von Arbeitsplätzen oder die Steigerung (lokaler) Wertschöpfung. Auch die Unabhängigkeit und Sicherheit der Energieversorgung spielen hier eine Rolle.
Lebensqualitätsnarrative fokussieren die positiven Auswirkungen der Energie- und Wärmewende auf die allgemeine Lebensqualität, etwa durch grünere, hitzeresiliente Innenstädte, weniger Lärm und mehr Natur.
Gesundheitsnarrative thematisieren die gesundheitlichen Vorteile. Dabei geht es unter anderem um die Reduzierung von Luftverschmutzung, den Schutz vor extremer Hitze oder die Sicherstellung warmer Innenräume.
Gerechtigkeitsnarrative appellieren an das moralische Pflichtempfinden, gegenwärtiges und vergangenes Unrecht gegenüber anderen Menschen oder der Umwelt an sich auszugleichen. Hierbei geht es häufig auch um eine sozialverträgliche Lasten- und Kostenverteilung.
Nicht alle Argumente für die Wärmewende haben die gleiche Überzeugungskraft (siehe Abbildung; Hagemayer, Faus und Bernhard 2024: S. 22 Abb. 16). Ihre jeweilige Überzeugungskraft variiert je nach Zielgruppe (vgl. Hagemayer, Faus und Bernhard 2024: S. 22 Abb. 16, S. 23 Abb. 17; siehe auch Heyen und Schmitt 2024: S. 14; Melloh, Rawlins und Sippel 2022: S. 4). Deshalb sollte die Kommunikation immer zielgruppenspezifisch gestaltet werden. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, dabei immer auf der Grundlage der Fakten zu argumentieren. Denn am Ende wollen wir eines: „Gute Geschichten erzählen, keine Märchen“ (BMWE 2024).

Storytelling: Von den Argumenten zu den Narrativen
Welche Chancen und Herausforderungen bieten einzelne Narrative in der Wärmewende? Nachfolgend finden Sie zentrale Narrative sowie anschauliche Beispiele aus der Praxis.

Wirtschaftlichkeit
Die Grafik zeigt, dass Wirtschaftlichkeitsnarrative, die auf die Unabhängigkeit von Energieimporten (74 Prozent), die Stärkung der Wirtschaft durch technologische Investitionen (71 Prozent) und die Stärkung des Wirtschaftsstandortes auf lange Sicht (69 Prozent) abzielen, die besten Zustimmungsquoten erzielen (vgl. Hagemayer, Faus und Bernhard 2024: S. 22 Abb. 16).
Aber auch die Frage nach der privaten Wirtschaftlichkeit („Energiekosten“) spielt eine zentrale Rolle (vgl. Hagemayer, Fau und Bernhard 2024: S. 22 Abb. 16). Dass „Bezahlbarkeit“ für Verbrauchende wichtig ist, stellen auch Melloh, Rawlins und Sippel heraus: über alle gesellschaftlichen Typen hinweg ist sie das wichtigste Kriterium bei der Bewertung der Klimapolitik (vgl. 2022: S. 10, S. 12 Tabelle 1). Das Argument der Energiekostensenkung genießt hingegen nur wenig Zustimmung (vgl. Hagemayer, Faus und Bernhard 2024: S. 22 Abb. 16).
Praxisbeispiele
Die Stadt München lässt in Form einer Mini-Story zwei Menschen erzählen, wie sie durch kleinere Tricks und Anpassungen ihre Heizkosten senken konnten. Durch die persönliche und alltagsnahe Präsentation wird das Gefühl von Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in die Umsetzbarkeit der Maßnahmen gestärkt.
Zentrales Element von Wirtschaftlichkeit ist auch die Steigerung der Energieeffizienz der Heizungstechnologien. Wie Wärmepumpen zur Steigerung der Energieeffizienz der Wärmeversorgung und damit auch zu deren Wirtschaftlichkeit beitragen kann, erklärt die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim (MAITHINK X).
Der Influencer Felix Goldbach erläutert den Wandel zu effizienteren, wirtschaftlicheren Technologien ebenfalls in einem Instagram-Beitrag.
Die Stadtwerke Halle (SWH) und die Stadt Halle (Saale) verfolgen die Geschichte des Heizens von der Steinzeit bis heute in der Sonderausgabe ihres Magazins zur Kommunalen Wärmewende. (Vgl. Stadtwerke Halle GmbH und Stadt Halle (Saale) 2025: S. 8)

Informationen bezüglich der Kosten und der Wirtschaftlichkeit im Hinblick auf die gesellschaftliche und auf die persönliche Situation spielen für einen großen Teil der Bevölkerung eine zentrale Rolle bei der Bewertung der Energie- und Wärmewende (vgl. Steinbeis/IKOME und IMK 2025: S. 18; Melloh, Rawlins und Sippel 2022: S. 10, 12 Tabelle 1). Wirtschaftlichkeitsnarrative können insofern ein zentrales Informationsbedürfnis der Bevölkerung adressieren. Generell und besonders für wirtschaftliche Aspekte gilt außerdem, dass die faktischen Erwartungen der Bevölkerung deutlich negativer ausfallen als die Zustimmung zu entsprechenden Narrativen: Nur 31 Prozent erwarten etwa positive wirtschaftliche Auswirkungen von stärkerer Klimapolitik, allerdings stimmen 69 Prozent dem Narrativ zu, mehr Klimaschutz zu betreiben, um die Wirtschaft zu stärken (vgl. Hagemayer, Faus und Bernhard 2024: S. 20 Abb. 14, 22 Abb. 16). Diese Narrative bergen also ein Potenzial, Menschen für die Wärmewende zu überzeugen – solange sie von konkreten Maßnahmen gestützt werden (vgl. Hagemayer, Faus und Bernhard 2024: S. 24).
Lebensqualität
Insbesondere die „Verbesserung der Luftqualität und vereinzelt eine geringere Häufigkeit von Extremwetterereignissen“ nannten die Befragten sowohl im Fragebogen als auch in den Fokusgruppendiskussionen als konkrete Effekte auf die Lebensqualität (Hagemayer, Faus und Bernhard 2024: S. 22). Darüber hinaus tragen aber auch andere Aspekte zu einer gesteigerten Lebensqualität bei: zum Beispiel die Förderung und Gestaltung von Grünflächen, die Entsiegelung von Flächen oder die Reduzierung von Autos und Straßenlärm. Wird im Kontext der Wärmewende eine effiziente Kälteinfrastruktur auf- oder ausgebaut, hat die Hitzereduktion im Sommer einen genauso positiven Einfluss auf die Lebensqualität wie energieeffizientes und zuverlässiges Heizen im Winter.
Praxisbeispiele
Mit dem Ziel, positive Geschichten für die Zukunft in einer sozial-ökologisch transformierten Gesellschaft zu erzählen, entstehen im Projekt „Realutopien“ der Reinventing Society e. V. unter anderem „Zukunftsbilder“, die solche utopischen Szenarien bildlich für konkrete Standorte aufbereiten. Dazu zählen unter anderem auch der Bonner Bezirk Beuel-Ost, das bayerische Neumarkt in der Oberpfalz oder auch der Dresdner Postplatz.
Energie sparen im 150 Jahre alten Haus: Dämmung, Wandheizung, Wärmepumpe | ARD Room Tour
Dass die Wärmewende zur Lebensqualität beitragen kann, zeigt unter anderem auch das Beispiel der Familie Geller. Die energetische Sanierung ihres Wohnhauses (unter anderem durch die Lehmverputzung der Innenwände, eine sanierten Außendämmung und eine geplante Wärmepumpe) senken erheblich ihre Heizkosten, sondern schaffen eine komfortable, lebenswerte Wohnumgebung. Mehr erfahren Sie in der ARD Room Tour durch das Gebäude.
Solares Heizen mit Fernwärme - Solarthermie und Wärmenetze - Solare Fernwärme - Energiewende-Report
Die Umstellung auf eine erneuerbare Wärmeversorgung kann auch indirekt zur Steigerung der örtlichen Lebensqualität beitragen. In Neuerkirch und Külz wurde etwa die Errichtung des Nahwärmenetz mit der Verlegung von Glasfaserkabeln verbunden, wodurch die Gebäude gleichzeitig mit Wärme und schnellem Internet versorgt werden können. Mehr dazu erfahren Sie im Video.
Es gibt ein grundlegendes Verständnis für die Chance, die Lebensqualität durch die Klimapolitik zu steigern. Eine lebenswerte Zukunft mit und nach der Wärmewende lässt sich visuell eindrücklich erzählen. Auch wenn dieses Narrativ für 67 Prozent der Befragten überzeugend ist, halten Hagemayer, Faus und Bernhard fest, „dass für die meisten Menschen aktuell wichtigere Themen im Vordergrund stehen, die stärker polarisieren und einen größeren Einfluss auf das eigene Leben haben“ (2024: S. 22). Demzufolge bieten sich diese Narrative gut als Ergänzung an.
Gesundheit
Ein Großteil der Befragten (57 Prozent) glaubt, dass verstärkter Klimaschutz auch eine positive Wirkung auf die Gesundheit haben wird (vgl. Hagemayer, Faus und Bernhard 2024: S. 20 Abb. 14). Die Autorinnen und Autoren weisen jedoch in Bezug auf die Diskussionen der Fokusgruppen auf ein Wissensdefizit in der Bevölkerung hin, zum Beispiel „über vermehrtes Aufkommen von Hitzetoten“, und bemerken, dass das Thema von den Befragten gewöhnlich eher als „Nebeneffekt“ der Klimapolitik bewertet wird (Hagemayer, Faus und Bernhard 2024: S. 22).
Praxisbeispiele
Viele Aspekte, die die Gesundheit fördern, steigern auch die Lebensqualität. Die im Rahmen der „Realutopien“ entwickelten „Zukunftsbilder“ zeigen verschiedene Aspekte der Gesundheitssteigerung auf. Diese werden zum Teil in begleitenden, textlichen Erläuterungen näher beschrieben. So etwa am Beispiel des Postplatzes in Dresden, wo Baumpflanzung und generelle Begrünung zur Reduktion Staub, Luftverschmutzung und Hitze im Sommer beitragen sollen (vgl. BUND 2024).
Einen Überblick über die gesundheitlichen Folgen, von Hitzetoten über die Verbreitung von Krankheiten, gibt die ZEIT im ersten Teil ihrer Serie zu den Folgen des Klimawandels. Vor diesem Hintergrund verdeutlicht der Beitrag die Relevanz zuverlässiger und effektiver Wärme- und Kälteplanung insbesondere in den Städten.

Eine Mehrheit ist überzeugt, dass Klimaschutz zur Gesundheitsförderung beiträgt (vgl. Hagemayer, Faus und Bernhard 2024: S. 22 Abb. 16, S. 20 Abb. 14). Gesundheitsnarrative können also dazu beitragen, ein Bewusstsein für die positiven Effekte der Wärmewende zu steigern. Gleichzeitig wird das Thema Gesundheit in diesem Kontext nicht als das relevanteste empfunden (vgl. Hagemayer, Faus und Bernhard 2024: S. 22) und eignet sich so auch eher als Ergänzung.
Gerechtigkeit
Gerechtigkeit ist für einen großen Teil der Bevölkerung ein wichtiges Kriterium bei der Bewertung von Klimapolitik (vgl. Melloh, Rawlins und Sippel 2022: S. 18). Gerechtigkeitsnarrative zielen darauf ab, die Wärmewende über ihren Beitrag zur Durchsetzung von Gerechtigkeit zu legitimieren. Dabei wird Gerechtigkeit nicht einheitlich verstanden (vgl. Melloh, Rawlins und Sippel 2022: S. 13, 18). Dies zeigt sich zum Beispiel daran, dass Menschen sich die Verteilung von Lasten und Kosten unterschiedlich vorstellen.
Melloh, Rawlins und Sippel haben Gerechtigkeitsnarrative entlang der MoreInCommon-Typologie untersucht (vgl. 2022: S. 13). Sie zeigen, dass …
- eine Verteilung der Lasten je nach verfügbarem Einkommen am stärksten befürwortet wird – auch über die einzelnen Typen hinweg (vgl. Melloh, Rawlins und Sippel 2022: S. 15).
- auch eine emissionsbasierte Verteilung, die Menschen und Haushalte mit größeren CO2-Emissionen mehr belastet als andere, grundsätzlich von einer Mehrheit befürwortet wird (vgl. Melloh, Rawlins und Sippel 2022: S. 14).
- Lasten in den Augen der überwiegenden Mehrheit aller Typen gleich zwischen den Generationen verteilt werden sollten (vgl. Melloh, Rawlins und Sippel 2022: S. 16).
- für die Mehrheit der Offenen, Involvierten und Etablierten eine größere Belastung reicherer Länder gerechter erscheint, während eine Mehrheit der Enttäuschten und Wütenden dies ablehnt und eine gleichförmige Verteilung der Lasten bevorzugt (vgl. Melloh, Rawlins und Sippel 2022: S. 17).
Praxisbeispiele
Das Gerechtigkeitsnarrativ wird auch von der Wirtschaftswissenschaftlerin Claudia Kemfert stark gemacht, die es in einer utopischen Zukunftserzählung als einen zentralen Treiber einer erfolgreichen Energie- und Wärmewende charakterisiert: „‚Soziale Gerechtigkeit durch saubere Energie‘ sorgte für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Erkenntnis, dass ärmere Haushalte überproportional unter fossilen Energiekosten und Luftverschmutzung leiden, mobilisierte breite Unterstützung für die Wärmewende als Gerechtigkeitsprojekt.“ (Kemfert 2025: S. 184) Sie vertritt hier eine vor allem auf das Prinzip der Sozialverträglichkeit abzielende Konzeption von Gerechtigkeit, die Kosten und Lasten nach dem jeweiligen Einkommen der Haushalte verteilt.
Die unfaire Wahrheit hinter der Erderwärmung | Harald Lesch | Terra X Lesch & Co
In einer Episode seiner Sendung Terra X Lesch & Co ordnet der Physiker, Philosoph und Wissenschaftsjournalist Harald Lesch die Frage nach der Gerechtigkeit im Rahmen der Klimapolitik ein.
Gerechtigkeitsnarrative bieten zwar die Chance, ein zentrales moralisches Bedürfnis der Bevölkerung nach Gerechtigkeit zu adressieren. Allerdings laufen sie Gefahr, Gruppen mit abweichenden Gerechtigkeitsvorstellungen abzustoßen. Im Vergleich zu anderen Narrativen erfahren sie am wenigsten Zustimmung (vgl. Hagemayer, Faus und Bernhard 2024: S. 22 Abb. 16). Auf die Frage nach dem Wesen der Gerechtigkeit gibt es keine objektive Antwort. Deswegen empfiehlt es sich, bei der Nutzung von Gerechtigkeitsnarrativen flexibel und undogmatisch gegenüber abweichenden Vorstellungen zu sein (vgl. Melloh, Rawlins und Sippel 2022: S. 18).
Informationsbedarfe
Mehr zum Thema, welche Informationen am meisten nachgefragt werden und wie Informationen am besten aufbereitet werden können, erfahren Sie in unserer diesbezüglichen Kommunikationshilfe.

Storytelling in der Umsetzung
Geschichten bergen ein enormes Potenzial, Menschen zu begeistern und zu Veränderungen zu motivieren. Doch wie funktioniert effektives Storytelling in der Praxis? Nachfolgend stellen wir zentrale handwerkliche Prinzipien für erfolgreiches Storytelling im Kontext der Energie- und Wärmewende vor.
Elemente des Storytellings
Jede Geschichte hat:
- einen Erzählenden,
- Charaktere, die im Rahmen einer Story, also eines Handlungsablaufs, verschiedene Rollen übernehmen und
- einen Handlungsablauf, der in einen größeren Sinnzusammenhang – in einen „plot“ – eingebettet ist, um einen tieferen Sinn, Relevanz und Kohärenz zu vermitteln.
Good Practice: Erklärvideo zur Kommunalen Wärmeplanung (KWP)
Ein wärmeversorgender Drache wird müde, weil er zu viel Kohle frisst und schädliche Gase atmet. Die Dorfbewohnerinnen und -bewohner, die vom Feuer des Drachen versorgt wurden, müssen sich zusammentun, um dessen Kräfte zu stärken und nachhaltig zu erhalten. Indem das Video eine märchenhafte Geschichte erzählt, wird leicht verständlich die Kommunale Wärmeplanung erklärt. Dabei greift das Video auf verschiedene Narrative zurück, darunter Ressourcenschonung und Lebensqualität.

Storytelling ist unvermeidbar
Geschichten über die Wärmewende sind allgegenwärtig. Nicht nur Kommunen, sondern auch alle anderen Akteurinnen und Akteure erzählen Geschichten über die Wärmewende. Lokale Hauseigentümerinnen und -eigentümer erzählen so zum Beispiel von Investitionskosten und Sanierungsdruck, die ihnen eine ferne, unpersönlichen Bürokratie aufbürdet, oder von der Art, wie sie finanziell und organisatorisch unterstützt werden, um die Energieeffizienz ihres Gebäudes zu erhöhen und gemeinschaftlich zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung beizutragen. Die Geschichten, die in der Gesellschaft jeden Tag von unterschiedlichsten Menschen erzählt werden, müssen nicht immer konstruktiv ausfallen.
Was bedeutet das für die Kommune?
- Kommunen haben nicht die Wahl, ob Geschichten über die Wärmewende vor Ort erzählt werden oder nicht. Sie können nur entscheiden, ob sie selbst gute Geschichten beitragen möchten oder nicht.
- Kommunen sollten das Storytelling nicht nur anderen Akteurinnen und Akteuren überlassen. Denn deren Geschichten sind nicht immer konstruktiv, sondern können der Akzeptanz der Wärmewende auch entgegenwirken.
- Es ist also im Interesse der Kommunen, eigene Geschichten zur Wärmewende zu erzählen. Gutes Storytelling kann – wie die Daten oben zeigen – dazu beitragen, auch solche Menschen zu erreichen, die im Anblick der gegenwärtigen Fakten eher Zweifel als Optimismus spüren.
Empfehlungen für gelungenes Storytelling
Knüpfen Sie beim Storytelling an einflussreiche gesellschaftliche Debatten an (vgl. Wolff et al. 2019: S. 66 – 67, 100). Spätestens seit dem russischen Angriff auf die Ukraine sind für die Energiewende Versorgungssicherheit und -unabhängigkeit von zentraler Bedeutung. Indem Sie den Beitrag lokaler, erneuerbarer Wärmeversorgung im Rahmen der Kommunalen Wärmewende zur Unabhängigkeit von Energieimporten deutlich machen, können Sie hieran anknüpfen. Auch die Debatte um den Klimaschutz bietet sich an. So zeigt etwa der Kurzbericht zum Wärmeplan der Stadt Oldenburg konkret die jährlichen CO2-Emissionen und ordnet die KWP als ein Instrument zur Emissionsminderung und „klimafreundliche[n] Wärmeversorgung“ ein (vgl. Stadt Oldenburg 2025).
Frames formen den „Bedeutungsrahmen“ unserer Äußerungen und unseres Verstehens und können in größeren Zusammenhängen als „Deutungsmuster“ auch zu Narrativen werden (vgl. Schrader 2022: S. 108, 112 – 113, 118). Die Beschreibung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) als „Heizungshammer“ implizierte einen Frame von Zwang, Gewalt und Wehrlosigkeit der Bevölkerung (vgl. Hillje 2024: S. 29 – 30). Anstelle von Einschränkungen und Verlust sollten neue Möglichkeiten und Chancen hervorgehoben werden (vgl. Heyen und Schmitt 2024: S. 14; vgl. auch Schrader 2022: S. 117 - 118). Wenn es etwa um die dezentrale Wärmeversorgung geht, empfiehlt es sich herauszustellen, dass sich Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer frei und selbständig für die beste Heiztechnologie für ihr eigenes Gebäude einsetzen und dafür auch entsprechende Unterstützungs-, Beratungs- und Förderangebote nutzen können. Die eigenen Geschichten proaktiv positiv zu framen, ist von zentraler Bedeutung – auch um einer negativen Vereinnahmung zuvorzukommen (vgl. Heyen und Schmidt 2024: S. 14 – 16; Hillje 2024: S. 30; siehe auch Schrader 2022: S. 112).
„Transmediale[s] Storytelling“ bezeichnet das kollaborative Erzählen von Geschichten durch unterschiedliche Akteurinnen und Akteure und über unterschiedliche Medien und Formate (vgl. Borner und Klein 2016). Auch die von der eigenen Kommunikation Angesprochenen sollen eingeladen werden, die Geschichte(n) fortzusetzen beziehungsweise ihre eigenen Geschichten zu erzählen (vgl. Grünwald et al. 2024: S. 55). Hausbesitzende oder Handwerker können selbst beispielsweise viel besser und glaubwürdiger über die Potenziale der Wärmepumpe oder die Vorteile eines Wärmenetzanschlusses berichten als die Vertretenden der Kommune (vgl. Heyen und Schmitt 2024: S. 15 - 16; Kühl 2025; UBA 2025: S. 31, 37 – 38). Das greift den Gedanken der Akteursbeteiligung und insbesondere das Instrument der „Akteursallianz“ auf (Heyen und Schmitt 2024: S. 16). Mehr zum Thema zielgruppengerechtes Kommunizieren und zur Idee der „Akteursallianz“ erfahren Sie in unserer diesbezüglichen Kommunikationshilfe.
Quellen
Agentur für Erneuerbare Energien e. V. (AEE): Akzeptanzumfrage 2025: Energiewende wird sichtbarer, Akzeptanz weiter hoch. 2025. www.unendlich-viel-energie.de/akzeptanzumfrage-2025, Zugriff am: 26. Februar 2026.
Agentur für Erneuerbare Energien e. V. (AEE): Schluss mit fossiler Abhängigkeit: Deutsche wollen innovative, nachhaltige Energie. Akzeptanzumfrage 2024. 2024. www.unendlich-viel-energie.de/themen/akzeptanz-erneuerbarer/akzeptanzumfrage-2024, Zugriff am 26. Februar 2025.
Borner, Joachim und Thomas Klein (2016): Zukunft in Wort, Bild und Ton gemeinsam erzählen. In: ÖkopadNews, 272/2016, S. 33. Online verfügbar unter: www.umweltbildung.de/oekopaednews/oekopaednews/2016/juli-2016-transmediales-storytelling, Zugriff am: 28. Januar 2026.
BUND: Postplatz 2045 – die Stadt der Zukunft! 18. Dezember 2024. www.bund-dresden.de/service/news/detail/news/postplatz-2045-so-sieht-die-stadt-der-zukunft-aus/, Zugriff am: 26. Februar 2026.
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE): „Gute Geschichten erzählen, keine Märchen“. 27. Mai 2024. www.energieforschung.de/de/aktuelles/news/2024/gute-geschichten-erzaehlen-keine-maerchen, Zugriff am: 28. Januar 2026.
Grünwald, Christian, Julian Menninger, Stephanie Poole, Holger Glockner, Martina Weier, Jonas Marbach, Michael Schipperges und Kai Neumann (2024): Narrative einer erfolgreichen Transformation zu einem ressourcenschonenden und treibhausgasneutralen Deutschland. Dessau-Roßlau. Online verfügbar unter: www.umweltbundesamt.de/publikationen/narrative-einer-erfolgreichen-transformation-zu-0, Zugriff am: 14. Januar 2026.
Hagemayer, Lennart, Rainer Fauss und Lukas Bernhard (2024): Vertrauensfrage Klimaschutz. Mehrheiten für eine ambitionierte Klimapolitik gewinnen. Bonn. Online verfügbar unter: collections.fes.de/publikationen/ident/fes/20941, Zugriff am: 26. Februar 2026.
Heyen, Dirk Arne und Lara Schmitt (2024): Akzeptanzfaktoren klimapolitischer Maßnahmen. Synthese politisch relevanter Forschungsergebnisse und Schlussfolgerungen. Online verfügbar unter: www.oeko.de/publikation/akzeptanzfaktoren-klimapolitischer-massnahmen/, Zugriff am: 30. Januar 2025.
Hillje, Johannes (2024): Lehren aus der Heizungsdebatte für klimapolitische Diskurse. In: Jost, Pablo und Matthias Mack; Hillje, Johannes (2024): Aufgeheizte Debatte? Eine Analyse der Berichterstattung über das Heizungsgesetz - und was wir daraus lernen können. Berlin. S. 26 – 35.
Kemfert, Claudia (2025): Deutschland 2045. Die neue Normalität. In: politische ökologie, 04/2025, S. 94 – 99. Online verfügbar unter: www.oekom.de/_files_media/zeitschriften/artikel/POE_2025_04_94.pdf, Zugriff am: 17. März 2026.
Kühl, Andreas: Storytelling für die Wärmewende: Emotionen statt Techniken. 12. Juni 2025. www.energynet.de/2025/06/12/storytelling-warmewende/, Zugriff am: 26. Februar 2026.
Manus, Christoph: Wohnhochhaus wird modernisiert – Stadt zahl hohen Zuschuss. 16. Dezember 2025. www.fr.de/frankfurt/wohnhochhaus-wird-modernisiert-stadt-zahlt-hohen-zuschuss-94086398.html, Zugriff am: 7. Mai 2026.
Melloh, Luisa, Julia Rawlins und Maike Sippel (2022): Übers Klima reden. Wie Deutschland beim Klimaschutz tickt. Wegweiser für den Dialog in einer vielfältigen Gesellschaft. Oxford. Online verfügbar unter: www.moreincommon.de/publikationen/uebers-klima-reden/, Zugriff am: 26. Februar 2026.
Schrader, Christopher (2022): Über das Klima sprechen. Das Handbuch. München. Online verfügbar unter: klimakommunikation.klimafakten.de/wp-content/uploads/HandbuchKlimakommunikation_Gesamt-mitLinks_final.pdf, Zugriff am: 13. März 2025.
Stadt Oldenburg: Oldenburger Wärmeplan. Stadtweites Konzept für günstiges und klimafreundliches Heizen. November 2025. a.storyblok.com/f/292688/x/84f8e73c06/oldenburger_waermeplan_kurzbericht_2025.pdf, Zugriff am: 1. April 2026.
Stadtwerke Halle GmbH und Stadt Halle (Saale) (2025): Wärmewende in Halle (Saale) – Unabhängig, Nachhaltig. Zukunftsfähig. Halle (Saale). Online verfügbar unter: swh.de/public/media/swh/kundenmagazin/2-2025/epaper/ausgabe.pdf, Zugriff am: 7. Mai 2026.
Steinbeis Mediation/IKOME und Institut für angewandte Marketing- und Kommunikationsforschung (IMK) (2025): Steinbeis BürgerbeteiligungsReport 2025. Leipzig/Erfurt. Online verfügbar unter: www.steinbeis-mediation.com/steinbeis-buergerbeteiligungsreport-2025, Zugriff am: 26. Februar 2026.
Umweltbundesamt (2025): Gesellschaftliche Unterstützung für eine erfolgreiche Wärmewende. Handbuch zur gesellschaftlichen Beteiligung in der kommunalen Wärmewende. Dessau-Roßlau. Online verfügbar unter: www.umweltbundesamt.de/publikationen/gesellschaftliche-unterstuetzung-fuer-eine, Zugriff am: 2. September 2025.
Wolf, Ingo, Benita Ebersbach und Jean-Henri Huttarsch (2023): Soziales Nachhaltigkeitsbarometer der Energie- und Verkehrswende 2023. Online verfügbar unter: snb.ariadneprojekt.de/start, Zugriff am: 3. Februar 2025.
Wolff, Franziska, Bettina Brohman, Corinna Fischer, Rainer Grießhammer, Martin Gsell, Dirke Arne Heyen, Klaus Jacob, Lisa Graaf, Michael Pregernig, Cristina Espinosa, Thomas Potthast, Simon Meisch, Matthias Kerr, Carmen Richerzhagen, Steffen Bauer, Clara Brandi, Hannah Büttner, Christiane Fleischer und Theresa Dorn (2019): Perspektiven für Umweltpolitik: Ansätze zum Umgang mit neuartigen Herausforderungen. Synthesebericht. Ufoplan-Vorhaben „Umweltpolitik im 21. Jahrhundert – Ansätze zur Bewältigung neuartiger Herausforderungen“ (FKZ 3715 11 102 0). Dessau-Roßlau. Online verfügbar unter: www.umweltbundesamt.de/publikationen/perspektiven-fuer-umweltpolitik-ansaetze-umgang, Zugriff am: 26. Februar 2026.
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