Wärmewende überzeugend erzählen

Viele Argumente sprechen für die Wärmewende. Richtige, faktenbasierte Argumente genügen jedoch häufig nicht, um die Akzeptanz der Wärmewende abzusichern. Wie Sie die richtigen Argumente in effektive, wertebasierte Geschichten verwandeln, erfahren Sie auf dieser Seite.

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Die Wärmewende bietet viele Vorteile. Fakt ist, dass die Umstellung auf erneuerbare Energieerzeuger dazu beiträgt, die Energieversorgung langfristig sicherer und unabhängiger zu gestalten. Genauso ist es richtig, dass die Wärmewende ein entscheidender Hebel zur Erreichung der deutschen und europäischen Klimaziele ist. Umfragen zeigen zudem eine deutliche, mehrheitliche Befürwortung der Energiewende in der Gesellschaft (vgl. AEE 2024, 2025). Diese Fakten können als Argumente für die Energiewende dienen. Trotzdem nehmen viele Menschen Maßnahmen der Energiewende als unbeliebter wahr, als sie tatsächlich sind (vgl. Wolf, Ebersbach und Huttarsch 2023: S. 2, 16 – 17; Heyen und Schmitt 2024: S. 16). Die Fakten und darauf basierende Argumente passen also nicht immer zu unseren Geschichten. Und gleichwohl sind es diese Geschichten, die einen maßgeblichen Einfluss auf unsere Wahrnehmung von uns selbst, der Welt und unserem Handeln haben (vgl. Grünwald et al. 2024: S. 24; Wolff et al. 2019: S. 43).

Mit Hilfe von Storytelling verwandeln Sie die richtigen, faktenbasieren Argumente in Geschichten, die überzeugen.

Es gibt viele Argumente für die Wärmewende

Die verschiedenen Vorteile der Wärmewende können als Argumente herangezogen werden, um von der Wärmewende zu überzeugen. Zusammenhängende Argumente können als Narrative verstanden werden. Nachfolgend stellen wir eine aus der unteren Grafik abgeleitete Liste von Narrativen vor:

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Wirtschaftlichkeitsnarrative zielen auf die Stärkung des Wirtschaftsstandorts ab – etwa  durch Investitionen in Zukunftstechnologien, die Etablierung auf dem Technologiemarkt, die Schaffung von Arbeitsplätzen oder die Steigerung (lokaler) Wertschöpfung. Auch die Unabhängigkeit und Sicherheit der Energieversorgung spielen hier eine Rolle.

Lebensqualitätsnarrative fokussieren die positiven Auswirkungen der Energie- und Wärmewende auf die allgemeine Lebensqualität, etwa durch grünere, hitzeresiliente Innenstädte, weniger Lärm und mehr Natur.

Gesundheitsnarrative thematisieren die gesundheitlichen Vorteile. Dabei geht es unter anderem um die Reduzierung von Luftverschmutzung, den Schutz vor extremer Hitze oder die Sicherstellung warmer Innenräume.

Gerechtigkeitsnarrative appellieren an das moralische Pflichtempfinden, gegenwärtiges und vergangenes Unrecht gegenüber anderen Menschen oder der Umwelt an sich auszugleichen. Hierbei geht es häufig auch um eine sozialverträgliche Lasten- und Kostenverteilung.

Nicht alle Argumente für die Wärmewende haben die gleiche Überzeugungskraft (siehe Abbildung; Hagemayer, Faus und Bernhard 2024: S. 22 Abb. 16). Ihre jeweilige Überzeugungskraft variiert je nach Zielgruppe (vgl. Hagemayer, Faus und Bernhard 2024: S. 22 Abb. 16, S. 23 Abb. 17; siehe auch Heyen und Schmitt 2024: S. 14; Melloh, Rawlins und Sippel 2022: S. 4). Deshalb sollte die Kommunikation immer zielgruppenspezifisch gestaltet werden. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, dabei immer auf der Grundlage der Fakten zu argumentieren. Denn am Ende wollen wir eines: „Gute Geschichten erzählen, keine Märchen“ (BMWE 2024). 

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Storytelling: Von den Argumenten zu den Narrativen

Welche Chancen und Herausforderungen bieten einzelne Narrative in der Wärmewende? Nachfolgend finden Sie zentrale Narrative sowie anschauliche Beispiele aus der Praxis.

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Wirtschaftlichkeit

Die Grafik zeigt, dass Wirtschaftlichkeitsnarrative, die auf die Unabhängigkeit von Energieimporten (74 Prozent), die Stärkung der Wirtschaft durch technologische Investitionen (71 Prozent) und die Stärkung des Wirtschaftsstandortes auf lange Sicht (69 Prozent) abzielen, die besten Zustimmungsquoten erzielen (vgl. Hagemayer, Faus und Bernhard 2024: S. 22 Abb. 16).

Aber auch die Frage nach der privaten Wirtschaftlichkeit („Energiekosten“) spielt eine zentrale Rolle (vgl. Hagemayer, Fau und Bernhard 2024: S. 22 Abb. 16). Dass „Bezahlbarkeit“ für Verbrauchende wichtig ist, stellen auch Melloh, Rawlins und Sippel heraus: über alle gesellschaftlichen Typen hinweg ist sie das wichtigste Kriterium bei der Bewertung der Klimapolitik (vgl. 2022: S. 10, S. 12 Tabelle 1). Das Argument der Energiekostensenkung genießt hingegen nur wenig Zustimmung (vgl. Hagemayer, Faus und Bernhard 2024: S. 22 Abb. 16).

Praxisbeispiele

Die Stadt München lässt in Form einer Mini-Story zwei Menschen erzählen, wie sie durch kleinere Tricks und Anpassungen ihre Heizkosten senken konnten. Durch die persönliche und alltagsnahe Präsentation wird das Gefühl von Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in die Umsetzbarkeit der Maßnahmen gestärkt.

Zentrales Element von Wirtschaftlichkeit ist auch die Steigerung der Energieeffizienz der Heizungstechnologien. Wie Wärmepumpen zur Steigerung der Energieeffizienz der Wärmeversorgung und damit auch zu deren Wirtschaftlichkeit beitragen kann, erklärt die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim (MAITHINK X).

Der Influencer Felix Goldbach erläutert den Wandel zu effizienteren, wirtschaftlicheren Technologien ebenfalls in einem Instagram-Beitrag.

Die Stadtwerke Halle (SWH) und die Stadt Halle (Saale) verfolgen die Geschichte des Heizens von der Steinzeit bis heute in der Sonderausgabe ihres Magazins zur Kommunalen Wärmewende. (Vgl. Stadtwerke Halle GmbH und Stadt Halle (Saale) 2025: S. 8)

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Lebensqualität

Insbesondere die „Verbesserung der Luftqualität und vereinzelt eine geringere Häufigkeit von Extremwetterereignissen“ nannten die Befragten sowohl im Fragebogen als auch in den Fokusgruppendiskussionen als konkrete Effekte auf die Lebensqualität (Hagemayer, Faus und Bernhard 2024: S. 22). Darüber hinaus tragen aber auch andere Aspekte zu einer gesteigerten Lebensqualität bei: zum Beispiel die Förderung und Gestaltung von Grünflächen, die Entsiegelung von Flächen oder die Reduzierung von Autos und Straßenlärm. Wird im Kontext der Wärmewende eine effiziente Kälteinfrastruktur auf- oder ausgebaut, hat die Hitzereduktion im Sommer einen genauso positiven Einfluss auf die Lebensqualität wie energieeffizientes und zuverlässiges Heizen im Winter.

Praxisbeispiele

Mit dem Ziel, positive Geschichten für die Zukunft in einer sozial-ökologisch transformierten Gesellschaft zu erzählen, entstehen im Projekt „Realutopien“ der Reinventing Society e. V. unter anderem „Zukunftsbilder“, die solche utopischen Szenarien bildlich für konkrete Standorte aufbereiten. Dazu zählen unter anderem auch der Bonner Bezirk Beuel-Ost, das bayerische Neumarkt in der Oberpfalz oder auch der Dresdner Postplatz.

Energie sparen im 150 Jahre alten Haus: Dämmung, Wandheizung, Wärmepumpe | ARD Room Tour

Dass die Wärmewende zur Lebensqualität beitragen kann, zeigt unter anderem auch das Beispiel der Familie Geller. Die energetische Sanierung ihres Wohnhauses (unter anderem durch die Lehmverputzung der Innenwände, eine sanierten Außendämmung und eine geplante Wärmepumpe) senken erheblich ihre Heizkosten, sondern schaffen eine komfortable, lebenswerte Wohnumgebung. Mehr erfahren Sie in der ARD Room Tour durch das Gebäude.

Solares Heizen mit Fernwärme - Solarthermie und Wärmenetze - Solare Fernwärme - Energiewende-Report

Die Umstellung auf eine erneuerbare Wärmeversorgung kann auch indirekt zur Steigerung der örtlichen Lebensqualität beitragen. In Neuerkirch und Külz wurde etwa die Errichtung des Nahwärmenetz mit der Verlegung von Glasfaserkabeln verbunden, wodurch die Gebäude gleichzeitig mit Wärme und schnellem Internet versorgt werden können. Mehr dazu erfahren Sie im Video.

Gesundheit

Ein Großteil der Befragten (57 Prozent) glaubt, dass verstärkter Klimaschutz auch eine positive Wirkung auf die Gesundheit haben wird (vgl. Hagemayer, Faus und Bernhard 2024: S. 20 Abb. 14).  Die Autorinnen und Autoren weisen jedoch in Bezug auf die Diskussionen der Fokusgruppen auf ein Wissensdefizit in der Bevölkerung hin, zum Beispiel „über vermehrtes Aufkommen von Hitzetoten“, und bemerken, dass das Thema von den Befragten gewöhnlich eher als „Nebeneffekt“ der Klimapolitik bewertet wird (Hagemayer, Faus und Bernhard 2024: S. 22).

Praxisbeispiele

Viele Aspekte, die die Gesundheit fördern, steigern auch die Lebensqualität. Die im Rahmen der „Realutopien“ entwickelten „Zukunftsbilder“ zeigen verschiedene Aspekte der Gesundheitssteigerung auf. Diese werden zum Teil in begleitenden, textlichen Erläuterungen näher beschrieben. So etwa am Beispiel des Postplatzes in Dresden, wo Baumpflanzung und generelle Begrünung zur Reduktion Staub, Luftverschmutzung und Hitze im Sommer beitragen sollen (vgl. BUND 2024).

zum BUND-Artikel

Einen Überblick über die gesundheitlichen Folgen, von Hitzetoten über die Verbreitung von Krankheiten, gibt die ZEIT im ersten Teil ihrer Serie zu den Folgen des Klimawandels. Vor diesem Hintergrund verdeutlicht der Beitrag die Relevanz zuverlässiger und effektiver Wärme- und Kälteplanung insbesondere in den Städten.

zum Video der ZEIT
© Reinventing Society & loomn

Gerechtigkeit

Gerechtigkeit ist für einen großen Teil der Bevölkerung ein wichtiges Kriterium bei der Bewertung von Klimapolitik (vgl. Melloh, Rawlins und Sippel 2022: S. 18). Gerechtigkeitsnarrative zielen darauf ab, die Wärmewende über ihren Beitrag zur Durchsetzung von Gerechtigkeit zu legitimieren. Dabei wird Gerechtigkeit nicht einheitlich verstanden (vgl. Melloh, Rawlins und Sippel 2022: S. 13, 18). Dies zeigt sich zum Beispiel daran, dass Menschen sich die Verteilung von Lasten und Kosten unterschiedlich vorstellen.

Praxisbeispiele

Das Gerechtigkeitsnarrativ wird auch von der Wirtschaftswissenschaftlerin Claudia Kemfert stark gemacht, die es in einer utopischen Zukunftserzählung als einen zentralen Treiber einer erfolgreichen Energie- und Wärmewende charakterisiert: „‚Soziale Gerechtigkeit durch saubere Energie‘ sorgte für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Erkenntnis, dass ärmere Haushalte überproportional unter fossilen Energiekosten und Luftverschmutzung leiden, mobilisierte breite Unterstützung für die Wärmewende als Gerechtigkeitsprojekt.“ (Kemfert 2025: S. 184) Sie vertritt hier eine vor allem auf das Prinzip der Sozialverträglichkeit abzielende Konzeption von Gerechtigkeit, die Kosten und Lasten nach dem jeweiligen Einkommen der Haushalte verteilt.

Die unfaire Wahrheit hinter der Erderwärmung | Harald Lesch | Terra X Lesch & Co

In einer Episode seiner Sendung Terra X Lesch & Co ordnet der Physiker, Philosoph und Wissenschaftsjournalist Harald Lesch die Frage nach der Gerechtigkeit im Rahmen der Klimapolitik ein.

Informationsbedarfe

Mehr zum Thema, welche Informationen am meisten nachgefragt werden und wie Informationen am besten aufbereitet werden können, erfahren Sie in unserer diesbezüglichen Kommunikationshilfe.

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Storytelling in der Umsetzung

Geschichten bergen ein enormes Potenzial, Menschen zu begeistern und zu Veränderungen zu motivieren. Doch wie funktioniert effektives Storytelling in der Praxis? Nachfolgend stellen wir zentrale handwerkliche Prinzipien für erfolgreiches Storytelling im Kontext der Energie- und Wärmewende vor.

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Elemente des Storytellings

Jede Geschichte hat:

  • einen Erzählenden,
  • Charaktere, die im Rahmen einer Story, also eines Handlungsablaufs, verschiedene Rollen übernehmen und 
  • einen Handlungsablauf, der in einen größeren Sinnzusammenhang – in einen „plot“ – eingebettet ist, um einen tieferen Sinn, Relevanz und Kohärenz zu vermitteln.

Good Practice: Erklärvideo zur Kommunalen Wärmeplanung (KWP)

Ein wärmeversorgender Drache wird müde, weil er zu viel Kohle frisst und schädliche Gase atmet. Die Dorfbewohnerinnen und -bewohner, die vom Feuer des Drachen versorgt wurden, müssen sich zusammentun, um dessen Kräfte zu stärken und nachhaltig zu erhalten. Indem das Video eine märchenhafte Geschichte erzählt, wird leicht verständlich die Kommunale Wärmeplanung erklärt. Dabei greift das Video auf verschiedene Narrative zurück, darunter Ressourcenschonung und Lebensqualität.

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Storytelling ist unvermeidbar

Geschichten über die Wärmewende sind allgegenwärtig. Nicht nur Kommunen, sondern auch alle anderen Akteurinnen und Akteure erzählen Geschichten über die Wärmewende. Lokale Hauseigentümerinnen und -eigentümer erzählen so zum Beispiel von Investitionskosten und Sanierungsdruck, die ihnen eine ferne, unpersönlichen Bürokratie aufbürdet, oder von der Art, wie sie finanziell und organisatorisch unterstützt werden, um die Energieeffizienz ihres Gebäudes zu erhöhen und gemeinschaftlich zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung beizutragen. Die Geschichten, die in der Gesellschaft jeden Tag von unterschiedlichsten Menschen erzählt werden, müssen nicht immer konstruktiv ausfallen.

Was bedeutet das für die Kommune?

  1. Kommunen haben nicht die Wahl, ob Geschichten über die Wärmewende vor Ort erzählt werden oder nicht. Sie können nur entscheiden, ob sie selbst gute Geschichten beitragen möchten oder nicht.
  2. Kommunen sollten das Storytelling nicht nur anderen Akteurinnen und Akteuren überlassen. Denn deren Geschichten sind nicht immer konstruktiv, sondern können der Akzeptanz der Wärmewende auch entgegenwirken. 
  3. Es ist also im Interesse der Kommunen, eigene Geschichten zur Wärmewende zu erzählen. Gutes Storytelling kann – wie die Daten oben zeigen – dazu beitragen, auch solche Menschen zu erreichen, die im Anblick der gegenwärtigen Fakten eher Zweifel als Optimismus spüren. 

Empfehlungen für gelungenes Storytelling

Quellen

Kommunikationshilfen

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© GettyImages/Aleksandar Nakic