Mit relevanten Informationen für die Wärmewende begeistern
Kommunen sind im Rahmen des Gesetzes für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze (Wärmeplanungsgesetz, WPG) dazu verpflichtet, die Öffentlichkeit über die Kommunale Wärmeplanung (KWP) zu informieren. Darüber hinaus sollten Kommunen aber auch ein eigenes Interesse daran haben, die Öffentlichkeit kontinuierlich und effektiv zu informieren und zu beteiligen: Denn ein grundlegendes Verständnis für den Sinn und Zweck der Wärmeplanung ist die Grundlage für Akzeptanz.

Auf dieser Seite erfahren Sie,
- welche Stufen der Beteiligung es gibt,
- welche Chancen und Herausforderungen das Informieren der Öffentlichkeit bereithält und wie diese am besten gelöst werden können sowie
- welcher spezifischen Informationsbedarfe die Öffentlichkeit hat.
Der Fokus dieser Seite liegt auf der Öffentlichkeitsbeteiligung durch das Informieren. Für detailliertere Informationen zur Akteursanalyse und -beteiligung allgemein stehen Ihnen sowohl der KWW-Leitfaden: Akteursbeteiligung in der Kommunalen Wärmeplanung (dena 2024) als auch unsere Fokusthemen-Seite „Akteure & Beteiligung“ zur Verfügung.
Welche Stufen der Beteiligung gibt es?
Die verschiedenen Akteursgruppen können unterschiedlich zur KWP beitragen. Deshalb sollten sie auch in unterschiedlicher Weise an der KWP beteiligt werden: Unterschieden wird zwischen Information, Konsultation und Mitgestaltung.
Die nebenstehende Grafik zeigt die verschiedenen relevanten Akteursgruppen und wie sie schwerpunktmäßig am besten zu beteiligen sind. Für die Öffentlichkeit liegt der Schwerpunkt dabei auf dem Informieren. Hierzu zählen unter anderem die Bürgerinnen und Bürger, aber auch andere zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure aus der lokalen Wirtschaft oder etwa dem Vereinsleben.
Diese und weitere Informationen einschließlich der Grafik finden Sie im KWW-Leitfaden: Akteursbeteiligung in der Kommunalen Wärmewende (vgl. dena 2024: S. 19 – 20).

Informieren und Aktivieren
Zwar handelt es sich beim Informieren im Vergleich zu den anderen beiden Stufen um die am wenigsten intensive Form der Beteiligung. Doch sie sollte deswegen nicht vernachlässigt werden. Mehr über die Vorteile und Herausforderungen der informierenden Öffentlichkeitsarbeit sowie geeignete Herangehensweisen erfahren Sie in diesem Abschnitt.
Umfragen wie die AEE-Akzeptanzumfrage vermitteln zwar ein Bild von genereller gesellschaftlicher Befürwortung für die Energiewende als solche (vgl. AEE 2024, Wolf et al. 2021 – 2023). Nichtsdestotrotz existiert bezüglich der genauen Planungsvorhaben und Schritte zur Umsetzung ein weit verbreitetes Informationsdefizit. Die Umsetzung der Wärmewende wird vielfach nicht wahrgenommen. So geben 58 Prozent der deutschen Bevölkerung an, nicht mit den Maßnahmen der eigenen Kommune im Rahmen der Wärmewende vertraut zu sein, obwohl ebenso viele wissen, dass diese Maßnahmen sie selbst maßgeblich betreffen (vgl. Steinbeis/IKOME und IMK 2025: S. 12 – 13). Das Defizit betrifft auch unter anderem mangelndes Wissen zu nachhaltigen Technologien (etwa CCS/CCU) (vgl. Wolf et al. 2023: S. 3). Ebenso wird die gesamtgesellschaftliche Akzeptanz der Maßnahmen zur Energie- und Wärmwende „regelmäßig unterschätz[t]“, was negativ auf die gesellschaftliche Akzeptanz zurückwirken kann (Heyen und Schmitt 2024: S. 16; vgl. auch Wolf et al. 2023: S. 2, 17).
Ein grundlegendes Verständnis für den Sinn und Zweck der Wärmeplanung ist daher nicht nur die Grundlage für Akzeptanz, sondern auch für weitere Beteiligung. „Denn was nicht verstanden wird, kann weder zur Partizipation einladen noch akzeptiert werden.“ (Focken et al. 2022: S. 39). Deswegen sollte auch über die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestanforderungen hinaus dafür gesorgt werden, dass die Öffentlichkeit gut über den Stand und Verlauf der Kommunalen Wärmewende und der KWP vor Ort informiert wird. Davon profitieren am Ende auch die Kommunen selbst.
Der Erfolg der Wärmewende hängt maßgeblich von der Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger ab, ihre Wärmeversorgung umzustellen. Sie müssen investieren, gegebenenfalls ihre Heizungstechnologien austauschen oder sich an ein Wärmenetz anschließen. Deswegen spielt die persönliche Motivation eine wichtige Rolle, zu der auch Information und Beteiligung beitragen. (Vgl. UBA 2025: S: 13)
Darüber hinaus gestattet der kontinuierliche Austausch mit der Öffentlichkeit die „frühzeitige Erkennung möglicher Konflikte“ und die Chance zur „konstruktiven Konfliktbearbeitung“ in Echtzeit (UBA 2025: S. 15). Durch die Verständigung mit sowie das Einholen von Fragen und Problemstellungen aus der Öffentlichkeit, erfährt die Kommune ständig mehr über den Informationsbedarf vor Ort und kann auf diesen eingehen. Das kann auch zu einer „Beschleunigung im formalen Planungsverfahren“ beitragen, wenn „weniger Einwendungen“ geschehen (UBA 2025: S. 16).
Nicht zuletzt fördert ein aktiver, gelebter Austausch zwischen Kommune und kommunaler Öffentlichkeit ein vertraulicheres Verhältnis zwischen beiden Instanzen. Dadurch trägt das Informieren zu „nachhaltige[n] Strukturen für zukünftige Planungen und Maßnahmen“ bei – wodurch die Kommune nachhaltig profitiert. (Vgl. UBA 2025: S. 16)
Individuen unterscheiden sich hinsichtlich der Art und Weise, wie und über welche Kanäle sie sich über politische Geschehnisse informieren (vgl. Schüler, Niehues und Diermeier 2021; BLM, JGU und Rheingold Institut 2025). Auch die Art und Weise, wie Informationen verarbeitet und Meinungen gebildet werden, unterscheidet sich zum Teil stark von Person zu Person (vgl. BLM, JGU und Rheingold Institut 2025). Diese Unterschiede wirken sich auf die spezifischen Informationsbedürfnisse der Öffentlichkeit vor Ort aus. Die Informationsauswahl und -präsentation sollte sich an diesen Bedürfnissen orientieren. Der nächste Abschnitt zeichnet ein grobes Bild des allgemeinen Informationsbedarfes. Dieser ersetzt aber nicht die Beschäftigung mit den Gegebenheiten und Zielgruppen vor Ort.
Neben inhaltlichen Kriterien, spielt auch die sprachliche Form der Präsentation von Informationen eine entscheidende Rolle. Die Sprache muss verständlich für die Bürgerinnen und Bürger sowie für die anderen Akteurinnen und Akteure in der Öffentlichkeit sein. Wählen Sie deshalb eine einfache Sprache, vermeiden Sie ein Übermaß an Fachbegriffen und erläutern Sie diese, wo sie unvermeidbar sind. Komplexe Sachzusammenhänge und technische Details, soweit ihre Darstellung notwendig ist, sollten so in verständliche, relevante Aspekte übersetzt werden, dass auch Laien sie nachvollziehen können. Hierzu eignen sich insbesondere Praxisbeispiele gut, denn sie tragen einerseits zur Anschaulichkeit von Informationen und zur Einordnung in den praktischen Alltag bei. Andererseits können lokale Erfolgsbeispiele für eine umgesetzte Wärmewende (etwa der Einbau/Betrieb einer Wärmepumpe oder Anschluss ans Wärmenetz) dazu beitragen, die Wärmewende für den Einzelnen als (technisch und finanziell) umsetzbar und vorteilhaft herauszustellen, wodurch die persönliche Umsetzungsbereitschaft und damit die Akzeptanz gesteigert wird (vgl. UBA 2025: S. 31). Lassen Sie also lokale Pioniere von ihrem Erfolg berichten.
Das Informieren muss über das bloße Präsentieren von Fakten hinausgehen. Denn „Meinungsbildung ist […] weniger eine Frage von reiner Informationsverfügbarkeit, sondern eine der emotionalen und sozialen Einbettung“ (BLM, JGU und Rheingold Institut 2025: S. 43). Wenn ein bloßes Mehr an Informationen nicht unbedingt zur Akzeptanzsteigerung beiträgt (vgl. z. B. Heyen und Schmitt 2024: S. 13), kommt es umso mehr darauf an, die Informationen so zu präsentieren, dass sie lebensweltlich relevant für den Einzelnen werden. Insbesondere Storytelling eignet sich als Methode der Informationspräsentation, um dieses Ziel zu erreichen (vgl. UBA 2025: S: 33; Focken et al. 2022: S. 40). Neben Format und Form spielt auch die Auswahl der richtigen Kommunikatorinnen und Kommunikatoren eine zentrale Rolle. Wenn sie Identifikations- und Vertrauensfiguren für die Öffentlichkeit sind, steigert dies die Glaubwürdigkeit, persönliche Relevanz und die Akzeptanz für die Fakten (vgl. UBA 2025: S. 31; Heyen und Schmitt 2024: S. 15).
Durch die Individualität von Informationsbedürfnissen kann auch hier keine pauschale Antwort gegeben werden. Verschiedene Formate und Kanäle sprechen verschiedene Zielgruppen an. Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie in der entsprechenden Kommunikationshilfe zu Kommunikations- und Veranstaltungsformaten.
Welche Informationen wünschen sich Bürgerinnen und Bürger zur Kommunalen Wärmeplanung?
Damit das Informieren gelingt, müssen relevante Inhalte präsentiert werden. Rechts sehen Sie eine Übersicht über die wichtigsten Informationsbedürfnisse in der Gesellschaft. Die Grafik stellt die wichtigsten Informationspunkte geordnet nach Relevanz (groß/sehr relevant zu klein/relevant) zusammen. Mehr zu den einzelnen Punkten können Sie den Details entnehmen.
Quelle Grafik: dena/KWW nach Steinbeis/IKOME und IMK 2025, UBA 2025, Wolf et al. 2023

Im Rahmen ihrer repräsentativen Befragung haben Steinbeis/IKOME und IMK die Relevanz verschiedener Informationspunkte abgefragt. Die Befragten zeigen hier eine klare Betonung von Informationen sowohl zu den eigenen Kosten, die mit der Umsetzung der Wärmewende verbunden sind (55 Prozent), sowie zu den Kosten für die gesamte Gesellschaft (51 Prozent). (Vgl. Steinbeis/IKOME und IMK 2025: S. 18)
Mit 38 Prozent wünschen sich die Bevölkerung auch besonders Informationen zu Bauvorhaben und damit zusammenhängenden möglichen Beeinträchtigungen in ihrem Wohngebiet. Auch Informationen zu Fördermöglichkeiten für den Heizungstausch werden von vielen (35 Prozent) als sehr relevant eingeschätzt (vgl. Steinbeis/IKOME und IMK 2025: S. 18).
Das Umweltbundesamt (UBA) stellt in seinem Handbuch „Gesellschaftliche Unterstützung für eine erfolgreiche Wärmewende“ neben der größeren Transparenz hinsichtlich „Belohnungssysteme[n]“ wie Förderungen auch die Betonung von „Anreizen“ wie etwa „günstigere Betriebskosten“ heraus (UBA 2025: S: 12; vgl. hierzu auch Heyen und Schmitt 2024: S. 14). Die finanziellen Aspekte der Wärmewende (Kosten für Investitionen, Anschaffung, Anschluss an ein Wärmenetz, Betrieb) spielen eine wichtige Rolle in der persönlichen Auseinandersetzung mit der Wärmewende; insbesondere „[d]ie Verfügbarkeit und Konditionen von Finanzierungsmöglichkeiten durch staatliche oder regionale Förderprogramme können die Entscheidung für die Anschaffung einer neuen Heizung beeinflussen.“ (UBA 2025: S. 35)
Ähnlich wichtig sind darüber hinaus Informationen zur weiteren Bürgerbeteiligung (27 Prozent), zu potenziellen negativen Gesundheits- (25 Prozent) und Umweltauswirkungen (23 Prozent) sowie zu Verfahrensabläufen bei der Planung und Genehmigung von Maßnahmen (vgl. Steinbeis/IKOME und IMK 2025: S. 18).
Auch zu Technologien empfiehlt es sich, weitere Informationen bereitzustellen. Denn hier herrscht nicht nur zum Teil noch Wissensmangel (vgl. Wolf et al. 2023: S. 3), sondern mitunter grassieren auch Fehlinformationen: „So glauben viele, dass Wärmepumpen nur in milden Klimazonen oder Neubauten funktionieren. […] Häufig wird auch angenommen, dass Wärmepumpen kein warmes Wasser liefern.“ Beides stimme jedoch nicht. (UBA 2025: S. 36)
Wichtig sind auch Informationen zum Planungsaufwand, der mit der Umstellung der eigenen Wärmeversorgung einhergeht: Personen müssen wissen, wie viel Arbeit sie mit der Planung und Umsetzung erwartet und wie diese gegebenenfalls auch an andere ausgelagert werden kann. Darüber hinaus spielen Informationen zum Umfang der Baumaßnahmen, die etwa beim Heizungstausch notwendig werden, eine wichtige Rolle – genauso wie solche zu Baumaßnahmen im Zusammenhang mit der Implementierung dezentraler Versorgungssysteme. Bei letzterer Variante ist ebenso von Bedeutung, die Öffentlichkeit über die (Un-)Möglichkeit von Anbieterwechseln aufzuklären. (Vgl. UBA 2025: S. 36 – 37)
Um sich selbst von der „Machbarkeit“ der Umsetzung der Wärmewende zu überzeugen, ist es für die Öffentlichkeit zudem wichtig, argumentiert das UBA, „eine zeitliche Orientierung zu Fragen wie den folgenden zu erhalten: Wann müssen nach den gesetzlichen Vorgaben klimaneutrale Heizungen eingebaut werden, was bedeutet das für noch funktionierende Heizungen? Was sind die Pläne der Kommune zum Aus- bzw. Umbau von Wärmenetzen, wann ist danach mit Anschlüssen an ein Wärmenetz zu rechnen – und wer kann gegenwärtig damit rechnen, und wer nicht?“ (UBA 2025: S. 33)
Auch wenn der Stand der KWP zum jeweiligen Zeitpunkt zu diesen Fragen noch keine Aussagen zulässt, ist es wichtig, den weiteren Prozess bis zur Klärung dieser Fragen darzustellen, um auch hier Transparenz und Vertrauen aufzubauen (vgl. UBA 2025: S. 33).
Weiterführende Informationen
Weitere Informationen erhalten Sie unter anderem im KWW-Leitfaden: Akteursbeteiligung in der Kommunalen Wärmeplanung (dena 2024). Außerdem stehen Ihnen über die Infothek einige Veranstaltungsaufzeichnungen von KWW-Veranstaltungen zum Thema Bürgerbeteiligung zur Verfügung:
Quellen
Agentur für Erneuerbare Energien (AEE): Schluss mit fossiler Abhängigkeit: Deutsche wollen innovative, nachhaltige Energie. Akzeptanzumfrage 2024. Online verfügbar unter: www.unendlich-viel-energie.de, Zugriff am 26. Februar 2025.
BLM, JGU und Rheingold Institut (2025). Angebunden oder abgekoppelt? Die Anbindung der Bevölkerung an die politische Öffentlichkeit. Online verfügbar unter: www.blm.de, Zugriff am: 25. Juli 2025.
Deutsche Energie-Agentur (dena) (Hrsg.) (2024): Leitfaden. Akteursbeteiligung in der Kommunalen Wärmeplanung. Berlin. Online verfügbar unter: www.kww-halle.de, Zugriff am: 11. September 2025.
Focken, H. et al. (2022): Partizipation und Akzeptanz. Synthesebericht 5. Berlin. Online verfügbar unter: epub.wupperinst.org, Zugriff am: 17. März 2025.
Heyen, Dirk Arne und Schmitt, Lara (2024): Akzeptanzfaktoren klimapolitischer Maßnahmen. Synthese politisch relevanter Forschungsergebnisse und Schlussfolgerungen. Online verfügbar unter: www.oeko.de, Zugriff am: 30. Januar 2025.
Schüler, Ruth M.; Niehues, Judith und Diermeier, Matthias (2021): Politisches Informationsverhalten. Gespräche und traditionelle Medien liegen vorn. IW-Report. No. 2/2021. Köln. Online verfügbar unter: EconStor: Politisches Informationsverhalten: Gespräche und traditionelle Medien liegen vorn, Zugriff am: 13. August 2025.
Umweltbundesamt (2025) (Hrsg.): Gesellschaftliche Unterstützung für eine erfolgreiche Wärmewende. Handbuch zur gesellschaftlichen Beteilgung in der kommunalen Wärmewende. Dessau-Roßlau. Online verfügbar unter: www.umweltbundesamt.de, Zugriff am: 2. September 2025.
Wolf, Ingo et al. (2021 – 2023). Soziales Nachhaltigkeitsbarometer der Energie- und Verkehrswende. Online verfügbar unter: snb.ariadneprojekt.de, Zugriff am: 13. März 2025.
Wolf, Ingo et al. (2023): Soziales Nachhaltigkeitsbarometer der Energie- und Verkehrswende 2023. Online verfügbar unter: snb.ariadneprojekt.de, Zugriff am: 3. Februar 2025.
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