Wärmenetze
Um zentral bereitgestellte Wärmeenergie in Gebäuden zu nutzen, muss diese von den Wärmequellen zu den Wärmeabnehmenden transportiert werden. Dies geschieht über Wärmenetze. Sie tragen durch den effizienten Transport von Wärmeenergie entscheidend zum Erfolg der Wärmewende bei. Dieser Steckbrief gibt einen Überblick und verweist auf weiterführende Informationen rund um die Technologie.

Definition
Wärmenetze sind für die leitungsgebundene Verteilung thermischer Energie zuständig und verbinden Wärmequellen mit Wärmeabnehmern (vgl. Weidlich 2020: S. 1203). Dabei wird die Wärme zentral für mehrere Gebäude an einem oder mehreren Standorten erzeugt.
Wärmenetze bieten grundsätzlich die Möglichkeit, eine große Bandbreite an unterschiedlichen Wärmequellen einzubinden. Dazu zählen klassische thermische Block- und Großkraftwerke, aber auch Solarthermieanlagen, Biogasanlagen, Geothermieanlagen, Wärmepumpen unterschiedlicher Größe und Leistung sowie Abwärme (vgl. AEE o. D.).
Wärmenetze stellen einen geschlossenen Heizkreis bereit, in welchem die thermische Energie (hauptsächlich in Form erwärmten Wassers) in isolierten Rohrleitungen zu den Wärmeabnehmern transportiert wird (vgl. Esch et al. 2011: S. 12). Der gebäudeeigene Heizkreislauf wird erwärmt, indem innerhalb des Gebäudes die Wärmeleitung über eine Hausübergabestation an das gebäudeinterne Verteilernetz angeschlossen wird (vgl. Esch et al. 2011: S. 12). Dabei kühlt das Wasser des Wärmenetzes ab, fließt zurück zur Wärmequelle und der Kreislauf beginnt von vorne (vgl. Energie-Atlas Bayern o. D.).
So können mehrere Häuser, ganze Stadtviertel oder auch größere Teile des Stadtgebiets zuverlässig versorgt werden. Ergänzend kann mit Wärmespeichern die überschüssige Energie für Zeiten mit hohem Bedarf aufbewahrt werden.
Die Besonderheit an der zentralen Wärmebereitstellung durch ein Wärmenetz: Die Nutzerinnen und Nutzer erhalten direkt nutzbare Wärme – nicht Gas, Öl oder andere Brennstoffe. Das bedeutet: Kein eigener Heizkessel ist notwendig. Die Wärme kommt „fertig“ ins Haus und wird dort über einen Wärmetauscher auf das Heizsystem übertragen – ohne eigene Wärmeerzeugungstechnik.
Wärmenetze lassen sich thematisch dem Bereich Infrastruktur zuordnen. Um Wärmeenergie effizient zu nutzen, muss diese transportiert und gespeichert werden. Eine gut ausgebaute und effiziente Leitungsinfrastruktur ist für eine klimafreundliche und verlässliche Wärmeversorgung entscheidend.
Arten von Wärmenetzen
Wärmenetze unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Betriebstemperatur. Grob lassen sich diese in drei unterschiedliche Arten unterteilen:
- konventionelles Hochtemperaturnetz (> 80 °C),
- Niedertemperaturnetz beziehungsweise LowEx-Netz (< 60 °C) und
- kaltes Netz (< 50 °C). (Vgl. Blesl, Burkhardt und Wendel 2023: S. 5 f.)
Zu beachten ist, dass mit zunehmender Betriebstemperatur auch die Sicherheitsansprüche und die Anforderungen an die Rohrleitungen sowie die Wärmeverluste ansteigen (vgl. Weidlich 2020: S. 1204). Daher gibt es eine kontinuierliche Weiterentwicklung hin zu Wärmenetzen mit niedrigeren Betriebstemperaturen, denn: Je niedriger die Netztemperatur, desto mehr Wärmequellen existieren, die potenziell an das Wärmenetz angeschlossen werden können (vgl. Weidlich 2020: S. 1204).
So ist beispielsweise für die Umstellung der fossilen Wärmebereitstellung (etwa aus Gas- oder Kohleheizkraftwerken) auf erneuerbare Energiequellen wie Geothermie, Solarthermie oder industrieller Abwärme eine Absenkung der Betriebstemperaturen in den Wärmenetzen notwendig (vgl. Blesl, Burkhardt und Wendel 2023: S. 4).
Darüber hinaus existiert die Unterscheidung von Wärmenetzen in Nah- und Fernwärme, allerdings besteht keine einheitlich definierte Abgrenzung zwischen den beiden Netzarten (vgl. dena 2024). Als Nahwärme bezeichnet man beispielsweise den Transport über kurze Strecken in kleineren, dezentralen Wärmenetzen. Von Fernwärme wird gesprochen, wenn Wärme über größere Netze und längere Leitungen übertragen wird. (Vgl. Energie-Atlas Bayern o. D.)
Vorteile zentraler Wärmeversorgung über Wärmenetze
Gegenüber dezentralen Versorgungskonzepten bieten Wärmenetze sowohl technische als auch nutzerseitige Vorteile. Technologisch ermöglichen sie die gleichzeitige Einbindung und Kombination unterschiedlicher erneuerbarer Wärmequellen, darunter Solarthermie, Geothermie, Großwärmepumpen sowie Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen und erlauben durch die Integration von Wärmespeichern eine zeitliche Entkopplung von Erzeugung und Verbrauch (vgl. Clausen et al. 2022: S. 3; Blesl, Burkhardt und Wendel 2023: S.2). Darüber hinaus leisten Wärmenetze einen Beitrag zur Sektorkopplung: In Zeiten hoher Stromproduktion aus erneuerbaren Energien kann Überschussstrom mittels Power-to-Heat in Wärme umgewandelt und zwischengespeichert werden, was zur Entlastung des Stromnetzes beiträgt (vgl. Fraunhofer IFAM o. D.; Thelen et al. 2024: S. 13).
Strukturell zeichnen sich Wärmenetze durch ihren modularen Aufbau aus, der eine schrittweise Erweiterung auch nach Inbetriebnahme erlaubt. Änderungen in der Wärmeerzeugung kommen dabei unmittelbar allen angeschlossenen Abnehmern zugute, ohne dass verbraucherseitige Eingriffe notwendig sind (vgl. Fraunhofer IFAM o. D.). Für Endverbraucherinnen und Endverbraucher entfallen Betrieb und Wartung eigener Heizungsanlagen (vgl. ifeu 2024); die Verantwortung für die Dekarbonisierung der Wärmeerzeugung liegt beim Netzbetreiber.
Herausforderungen von zentraler Wärmeversorgung
Planerische Komplexität und Dekarbonisierung von Wärmenetzen
Der Bau von Wärmenetzen für die zentrale Wärmeversorgung kann insbesondere in städtischen Gebieten mit einem hohen planerischen Aufwand und hohen Kosten einher gehen. Zudem müssen die jeweiligen Standortbedingungen, unter anderem die in den verschiedenen Bundesländern geltenden Regelungen im Bau- und Genehmigungsrecht sowie spezielle Untergrundgegebenheiten beachtet werden.
Aus technischer Sicht ergeben sich vor allem Herausforderungen für den Ausbau und die Sanierung von Bestandsnetzen. Ältere Bestandsnetze sind durch hohe Vorlauftemperaturen von bis zu 130°C und den Einsatz von fossilen Energieträgern gekennzeichnet. Dies führt zu erhöhten Wärmeverlusten entlang der Leitung und hohen CO2-Emissionen. Für eine erfolgreiche Dekarbonisierung der Bestandsnetze ist u.a. eine Absenkung der Vorlauftemperaturen entscheidend, da der Großteil der erneuerbaren Wärmequellen nur niedrige Temperaturniveaus bereitstellen. Derzeit werden nur etwa 23 % aller Wärmenetze in Deutschland auf Temperaturen von 60-90°C betrieben (vgl. EWI 2025: S. 5-7) .
Betreibersuche und Rentabilität
Ausschlaggebend für die Umsetzung eines Wärmenetzes ist die Frage nach dessen Wirtschaftlichkeit (siehe Abschnitt Wirtschaftlichkeit von Wärmenetzen). Für viele Versorgungsunternehmen bedeutet der Netzausbau Investitionen, die ihre jetzige Investitionstätigkeit trotz der Förderinstrumente des Bundes, wie der Bundesförderung effizienter Wärmenetze BEW und KWKG, weit übersteigen. Zudem erfolgt der Ausbau von Wärmenetzen in der Regel sukzessive. Dies birgt die Gefahr, dass potenzielle Kundinnen und Kunden in der Zwischenzeit auf dezentrale Alternativlösungen zurückgreifen. Die Wirtschaftlichkeit des Netzes hingegen ist maßgeblich abhängig von der verbindlichen Anschlussquote (vgl. Agora Energiewende, Prognos, GEF 2024: S. 10-14). Um den zeitlichen Versatz zwischen Heizungsumstellung und dem Wärmenetzanschluss zu überbrücken können Übergangslösungen geschaffen werden.
Für Endverbraucherinnen und -verbraucher bedeutet der Anschluss an ein Wärmenetz zeitgleich eine langfristige Bindung an einen Anbieter. Dies birgt das Risiko einer lokalen Monopolstellung. Umso wichtiger ist die Implementation einer wirksamen staatlichen Preisaufsicht (vgl. Agora Energiewende, Prognos, GEF 2024: S. 14-16) .
Weitere Informationen zum Betrieb und der Finanzierung von Wärmenetzen finden Sie auf unserer Seite unter "Wärmenetze errichten und betreiben".
Wirtschaftlichkeit von Wärmenetzen
Die Wirtschaftlichkeit eines Wärmenetzes ist ein zentraler Faktor für die Planung und Umsetzung. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass je höher der Energieverbrauch auf engem Raum ist, bzw. je verdichteter ein Gebiet ist, sich Wärmenetze dort besonders eignen. Oft wird dabei auf die sogenannte Wärmeliniendichte als Kennwert verwiesen, also das Verhältnis zwischen dem jährlichen Wärmebedarf (in MWh) und der Länge des geplanten Netzes (in Metern). Ein häufig genannter Richtwert liegt bei etwa 1,5 bis 2,0 MWh pro Meter Leitung, wobei dieser Wert stark vom konkreten Projektkontext abhängt. In der Tabelle finden Sie die Einschätzung aus dem Leitfaden Wärmeplanung (Ortner et al. 2024: S. 54).
Wichtig ist: Eine niedrige Wärmeliniendichte schließt die wirtschaftliche Tragfähigkeit eines Wärmenetzes nicht grundsätzlich aus. Auch weniger dicht besiedelte Gebiete können unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll erschlossen werden.

Unsere Webseminare zu Wärmenetzen
KWW-Spezial: Wärmenetzpotenziale heben – kommunalen Gestaltungsspielraum nutzen
Wer soll‘s machen? Mit genau dieser Frage beschäftigen sich viele Kommunen, die kein eigenes Stadtwerk haben, aber ein neues Wärmenetz für ihre Gemeinde errichten wollen. Es gibt verschiedene Betreibermodelle und Möglichkeiten für die lokale Versorgung mit Wärme. Dieses KWW-Spezial rückte kommunale Handlungsmöglichkeiten und die damit verbundenen Abwägungen auf der Großen KWW-Konferenz 2025 in den Fokus.
KWW-Praxisblick: Vom Wärmeplan zum Wärmenetz mit BEW-Förderung
Die BEW kann für Kommunen ein entscheidender Hebel sein, um Wärmenetzprojekte auf den Weg zu bringen. Gleichzeitig stellen sich in der Praxis zahlreiche organisatorische und strategische Fragen. In unserem KWW-Praxisblick gingen wir darauf ein, wie Kommunen den Weg von der Kommunalen Wärmeplanung hin zur Umsetzung konkreter Wärmenetze gestalten können – und welche Rolle die BEW-Förderung dabei spielt.
Mehr zu Wärmenetzen vom KWW
Weiterführende Informationen
Quellen
Agentur für Erneuerbare Energien e.V. (AEE): Wärmenetze. O. D. www.waermewende.de/waermewende/kommunale-waermewende/waermenetze/, Zugriff am: 15. April 2024.
Agora Energiewende, Prognos, GEF (2024): Wärmenetze – klimaneutral, wirtschaftlich und bezahlbar. Wie kann ein zukunftssicherer Business Case aussehen? Agora Energiewende. Berlin. https://www.agora-energiewende.de/fileadmin/Projekte/2023/2023-18_DE_Business_Case_Waermenetze/A-EW_335_Businesscase_Waermenetze_WEB.pdf, Zugriff am 15. April 2026.
Blesl, M., A. Burkhardt und F. Wendel (2023): Transformation und Rolle der Wärmenetze. Kopernikus-Projekt Ariadne, Potsdam. DOI: 10.48485/pik.2023.004, Zugriff am: 14. April 2026.
Clausen, J., C. Graf, M. Huber, D. Lottis, T. Seifert und U. Weber (2022): Wärmenetze. Die klimaneutrale Wärmeversorgung für verdichtete Stadtgebiete. Policy Paper der Scientist for Future. Berlin. https://info-de.scientists4future.org/waermenetze/, Zugriff am: 15. April 2026.
Deutsche Energie-Agentur (dena): Wärmenetze. Januar 2024. www.gebaeudeforum.de/fileadmin/gebaeudeforum/Downloads/Factsheet/Factsheet_65ProzentEE_13_Waermenetze.pdf, Zugriff am: 3. April 2024.
Energie-Atlas Bayern: Wärmenetze. O. D. www.energieatlas.bayern.de/thema_energie/waermenetze, Zugriff am: 3. April 2024.
Esch, T. et al.: Potenzialanalyse zum Aufbau von Wärmenetzen unter Auswertung siedlungsstruktureller Merkmale. 18. Februar 2011. elib.dlr.de/76816/, Zugriff am: 3. März 2025.
EWI (2025): Rahmenbedingungen für den Aus- und Umbau von Wärmenetzen. Energiewirtschaftliches Institut an der Universität zu Köln gGmbH. Köln. https://www.ewi.uni-koeln.de/cms/wp-content/uploads/2025/07/Rahmenbedingungen-fuer-den-Aus-und-Umbau-von-Waermenetzen.pdf, Zugriff am 15. April 2026.
Fraunhofer IFAM: Wärmenetze für eine nachhaltigere Wärmeversorgung. O.D. https://www.ifam.fraunhofer.de/de/magazin/waermenetze-nachhaltigere-waermeversorgung.html, Zugriff am 15. April 2026.
Ifeu (2024): Kurzinformation Heiztechnik: Wärmenetz. Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (Hg.). https://www.bmwsb.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/veroeffentlichungen/wohnen/geg-wpg/kurzinfo-waermenetz.pdf?__blob=publicationFile&v=1, Zugriff am 15. April 2026
Ortner, Sara; Paar, Angelika; Johannsen, Lea; Wachter, Philipp; Hering, Dominik; Pehnt, Martin et al. (2024): Leitfaden Wärmeplanung. Empfehlungen zur methodischen Vorgehensweise für Kommunen und andere Planungsverantwortliche. Hg. v. ifeu - Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg gGmbH, Öko-Institut e.V., IER Stuttgart, adelphi consult GmbH, Becker Büttner Held PartGmbB, Prognos AG, et al. https://www.kww-halle.de/service/infothek/detail/leitfaden-waermeplanung-empfehlungen-zur-methodischen-vorgehensweise-fuer-kommunen-und-andere-planungsverantwortliche, Zugriff am 15. April 2026.
Thelen, C., H. Nolte, M. Kaiser, P. Jürgens, P. Müller, C. Senkpiel und C. Kost (2024): Wege zu einem klimaneutralen Energiesystem: Bundesländer im Transformationsprozess. Fraunhofer ISE. Freiburg.
Weidlich, I. (2020): Wärmenetze. In: Kaltschmitt, M., Streicher, W. und Wiese, A. (Hrsg.): Erneuerbare Energien. Berlin, Heidelberg. S. 1203 – 1226.
Technologien für die Kommunale Wärmewende
Erkunden Sie weitere Wärmewendetechnologien.



