Wärmenetze

Um zentral bereitgestellte Wärmeenergie in Gebäuden zu nutzen, muss diese von den Wärmequellen zu den Wärmeabnehmenden transportiert werden. Dies geschieht über Wärmenetze. Sie tragen durch den effizienten Transport von Wärmeenergie entscheidend zum Erfolg der Wärmewende bei. Dieser Steckbrief gibt einen Überblick und verweist auf weiterführende Informationen rund um die Technologie.

Definition

Arten von Wärmenetzen

Wärmenetze unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Betriebstemperatur. Grob lassen sich diese in drei unterschiedliche Arten unterteilen:

  • konventionelles Hochtemperaturnetz (> 80 °C),
  • Niedertemperaturnetz beziehungsweise LowEx-Netz (< 60 °C) und
  • kaltes Netz (< 50 °C). (Vgl. Blesl, Burkhardt und Wendel 2023: S. 5 f.)

Zu beachten ist, dass mit zunehmender Betriebstemperatur auch die Sicherheitsansprüche und die Anforderungen an die Rohrleitungen sowie die Wärmeverluste ansteigen (vgl. Weidlich 2020: S. 1204). Daher gibt es eine kontinuierliche Weiterentwicklung hin zu Wärmenetzen mit niedrigeren Betriebstemperaturen, denn: Je niedriger die Netztemperatur, desto mehr Wärmequellen existieren, die potenziell an das Wärmenetz angeschlossen werden können (vgl. Weidlich 2020: S. 1204). 

So ist beispielsweise für die Umstellung der fossilen Wärmebereitstellung (etwa aus Gas- oder Kohleheizkraftwerken) auf erneuerbare Energiequellen wie Geothermie, Solarthermie oder industrieller Abwärme eine Absenkung der Betriebstemperaturen in den Wärmenetzen notwendig (vgl. Blesl, Burkhardt und Wendel 2023: S. 4).

Darüber hinaus existiert die Unterscheidung von Wärmenetzen in Nah- und Fernwärme, allerdings besteht keine einheitlich definierte Abgrenzung zwischen den beiden Netzarten (vgl. dena 2024). Als Nahwärme bezeichnet man beispielsweise den Transport über kurze Strecken in kleineren, dezentralen Wärmenetzen. Von Fernwärme wird gesprochen, wenn Wärme über größere Netze und längere Leitungen übertragen wird. (Vgl. Energie-Atlas Bayern o. D.)

Vorteile zentraler Wärmeversorgung über Wärmenetze

Gegenüber dezentralen Versorgungskonzepten bieten Wärmenetze sowohl technische als auch nutzerseitige Vorteile. Technologisch ermöglichen sie die gleichzeitige Einbindung und Kombination unterschiedlicher erneuerbarer Wärmequellen, darunter Solarthermie, Geothermie, Großwärmepumpen sowie Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen und erlauben durch die Integration von Wärmespeichern eine zeitliche Entkopplung von Erzeugung und Verbrauch (vgl. Clausen et al. 2022: S. 3; Blesl, Burkhardt und Wendel 2023: S.2). Darüber hinaus leisten Wärmenetze einen Beitrag zur Sektorkopplung: In Zeiten hoher Stromproduktion aus erneuerbaren Energien kann Überschussstrom mittels Power-to-Heat in Wärme umgewandelt und zwischengespeichert werden, was zur Entlastung des Stromnetzes beiträgt (vgl. Fraunhofer IFAM o. D.; Thelen et al. 2024: S. 13).

Strukturell zeichnen sich Wärmenetze durch ihren modularen Aufbau aus, der eine schrittweise Erweiterung auch nach Inbetriebnahme erlaubt. Änderungen in der Wärmeerzeugung kommen dabei unmittelbar allen angeschlossenen Abnehmern zugute, ohne dass verbraucherseitige Eingriffe notwendig sind (vgl. Fraunhofer IFAM o. D.). Für Endverbraucherinnen und Endverbraucher entfallen Betrieb und Wartung eigener Heizungsanlagen (vgl. ifeu 2024); die Verantwortung für die Dekarbonisierung der Wärmeerzeugung liegt beim Netzbetreiber. 

Herausforderungen von zentraler Wärmeversorgung

Planerische Komplexität und Dekarbonisierung von Wärmenetzen

Der Bau von Wärmenetzen für die zentrale Wärmeversorgung kann insbesondere in städtischen Gebieten mit einem hohen planerischen Aufwand und hohen Kosten einher gehen. Zudem müssen die jeweiligen Standortbedingungen, unter anderem die in den verschiedenen Bundesländern geltenden Regelungen im Bau- und Genehmigungsrecht sowie spezielle Untergrundgegebenheiten beachtet werden. 

Aus technischer Sicht ergeben sich vor allem Herausforderungen für den Ausbau und die Sanierung von Bestandsnetzen. Ältere Bestandsnetze sind durch hohe Vorlauftemperaturen von bis zu 130°C und den Einsatz von fossilen Energieträgern gekennzeichnet. Dies führt zu erhöhten Wärmeverlusten entlang der Leitung und hohen CO2-Emissionen. Für eine erfolgreiche Dekarbonisierung der Bestandsnetze ist u.a. eine Absenkung der Vorlauftemperaturen entscheidend, da der Großteil der erneuerbaren Wärmequellen nur niedrige Temperaturniveaus bereitstellen. Derzeit werden nur etwa 23 % aller Wärmenetze in Deutschland auf Temperaturen von 60-90°C betrieben (vgl. EWI 2025: S. 5-7) . 

Betreibersuche und Rentabilität  

Ausschlaggebend für die Umsetzung eines Wärmenetzes ist die Frage nach dessen Wirtschaftlichkeit (siehe Abschnitt Wirtschaftlichkeit von Wärmenetzen). Für viele Versorgungsunternehmen bedeutet der Netzausbau Investitionen, die ihre jetzige Investitionstätigkeit trotz der Förderinstrumente des Bundes, wie der Bundesförderung effizienter Wärmenetze BEW und KWKG, weit übersteigen. Zudem erfolgt der Ausbau von Wärmenetzen in der Regel sukzessive. Dies birgt die Gefahr, dass potenzielle Kundinnen und Kunden in der Zwischenzeit auf dezentrale Alternativlösungen zurückgreifen. Die Wirtschaftlichkeit des Netzes hingegen ist maßgeblich abhängig von der verbindlichen Anschlussquote (vgl. Agora Energiewende, Prognos, GEF 2024: S. 10-14). Um den zeitlichen Versatz zwischen Heizungsumstellung und dem Wärmenetzanschluss zu überbrücken können Übergangslösungen  geschaffen werden.

Für Endverbraucherinnen und -verbraucher bedeutet der Anschluss an ein Wärmenetz zeitgleich eine langfristige Bindung an einen Anbieter. Dies birgt das Risiko einer lokalen Monopolstellung. Umso wichtiger ist die Implementation einer wirksamen staatlichen Preisaufsicht (vgl. Agora Energiewende, Prognos, GEF 2024: S. 14-16) . 

Weitere Informationen zum Betrieb und der Finanzierung von Wärmenetzen finden Sie auf unserer Seite unter "Wärmenetze errichten und betreiben".
 

Wirtschaftlichkeit von Wärmenetzen

Die Wirtschaftlichkeit eines Wärmenetzes ist ein zentraler Faktor für die Planung und Umsetzung. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass je höher der Energieverbrauch auf engem Raum ist, bzw. je verdichteter ein Gebiet ist, sich Wärmenetze dort besonders eignen. Oft wird dabei auf die sogenannte Wärmeliniendichte als Kennwert verwiesen, also das Verhältnis zwischen dem jährlichen Wärmebedarf (in MWh) und der Länge des geplanten Netzes (in Metern). Ein häufig genannter Richtwert liegt bei etwa 1,5 bis 2,0 MWh pro Meter Leitung, wobei dieser Wert stark vom konkreten Projektkontext abhängt. In der Tabelle finden Sie die Einschätzung aus dem Leitfaden Wärmeplanung (Ortner et al. 2024: S. 54).

Wichtig ist: Eine niedrige Wärmeliniendichte schließt die wirtschaftliche Tragfähigkeit eines Wärmenetzes nicht grundsätzlich aus. Auch weniger dicht besiedelte Gebiete können unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll erschlossen werden.

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Unsere Webseminare zu Wärmenetzen

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Quellen

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